Was ist passiert in der letzten Woche:

zunächst hake ich mal das Essen ab, ich war ich mal mit einigen “Quantum Memory”-Leuten in der “Chongqing-Zehntausend-Freunde-Nudelhalle”, etwas zwischen Fressbude und kleinem Restaurant in der Restaurantstraße am Südwestende meines Campus. Im Prinzip nichts Besonderes, es hat mir aber geschmeckt und ich kenne einen Platz mehr, zu dem ich bei etwaigem Nudelhunger gehen könnte!

hefei_64Mit meinem Tandempartner war ich noch in einer “Mensa” am Nordende meines Campus, wo man für 30 Yuan (etwa 3,50 Euro) vom Buffet so viel essen kann, wie man will. War ganz gut. Hier gehen vor allem Professoren hin, und davon auch nur sehr wenige. Außerdem gab er mir ein kleines, schönes, rotes Büchlein – nein, es ist nicht die Mao-Bibel, sondern es heißt “Chinesische Fabeln und alte Geschichten”.

Ich lud die drei Mit-Masterstudenten meiner Gruppe zu mir zum Kosten von Kakao, Plätzchen, Salami und ein bisschen Parmesan ein. Alle konnten entgegen gewisser Vorurteile Kuhmilch gut vertragen! Vor Kurzem waren wir auch inklusive unseres Professors und eines Doktoranden aus Beijing im Halb-Nobel-Restaurant “Jiangnan-Frühling” (Jiangnan ist die reiche Gegend am Unterlauf des Jangtse). Letzterer wird ab nach dem Neujahrs-/Frühlingsfest zunächst Teil unserer Gruppe sein – wie lange, steht wohl noch nicht fest.

Mein Mitbewohner machte mit seiner Freundin vor Kurzem u.a. seine genialen Knoblauchsprösslinge (sieht etwa wie eine dünne grüne Bohne aus) – ein offenbar oft in China gegessenes Gemüse, das auch sehr billig ist. Und etwa gekochte Lotoswurzeln, an die ich mich schon gewöhnt habe:  Nun sind die beiden erst mal für eine Woche in Shanghai.

hefei_65Gestern machte meine Mitbewohnerin seit Längerem mal wieder Jiaozi – was sie, ich hatte es schon mal erwähnt, als aus Shandong Stammende natürlich besonders gut kann (siehe Galerie). Man schnibbelt die Füllung her, legt sie in die Jiaozi-Teigblätter, formt das Ganze (das ist das Schwierigste) und kocht sie.

Die Füllung ist ziemlich variabel und beinhaltete in diesem Fall etwa Knoblauch-Schnittlauch.

Das ist auch das Gericht, was so gut wie jede chinesische Familie am Abend des 9.2. zubereiten wird. Sie sagte mir, dass es die Tradition gibt, an diesem Abend vegetarische Jiaozi zu essen, da die Leute früher oft nicht genug Geld für Fleisch hatten. Am besten etwa mit Chinakohl, brassica rapa pekinensis (白菜, báicài), da er so ähnlich ausgesprochen wird wie “hundert Reichtümer” (百财, bǎicái). Oder Blätterkohl, brassica rapa chinensis (青菜, qīngcài), da er so klingt wie “regelmäßiger Reichtum” (勤财, qíncái). Die Form der Jiaozi ist auch die des alten chinesischen Geldes. Meistens werden Jiaozi gekocht, sie können aber auch angebraten (öfters etwa in Qingdao) oder gegart werden. Hier in Hefei sehe ich öfters Jiaozi-Restaurants als in Hangzhou, das liegt vielleicht aber auch an meinen nun verbesserten Chinesisch-Kenntnissen.

Ich schreibe nun viel übers Essen, obwohl ich mir übers Essen nicht wirklich viele Gedanken mache – es ist aber meine Hauptbeschäftigung neben ins Buero gehen und schlafen … ;-)

Nun zum Nicht-Ess-Teil: Traditionellerweise geht der Spring Festival Rush (春运, chūnyùn) von 15 Tagen vor bis 25 Tagen nach dem Frühlingsfest. Weitere Informationen hier. Damit begann er in diesem Jahr am 26.1., und er wird bis zum 6.3. anhalten. Es dürfte wie gesagt die größte Menschenbewegung des Jahres auf dem Globus sein, und somit werden Zugtickets etc. am liebsten weit im Voraus gekauft – am besten über das Internet, was seit Kurzem möglich ist. Bei der chinesischen Zug-Website blick ich aber noch nicht wirklich durch. Es gibt, diese Thematik betreffend, auch die Filmkomödie Lost on Journey (mit einem derzeitigen Nachfolger). Bald werden also praktisch (fast) alle Wanderarbeiter, Studenten und sonstige wieder zu Hause aufgeräumt sein. Mir wurde von einigen prophezeit, dass es schwer sein wird, Essen auf dem Campus zu finden – davon gehe ich auch aus. Mindestens eine Mensa ist ab heute geschlossen, und nun, da die Prüfungen vorbei sind, sah man am letzten Wochenende viele Studenten mit Rollkoffern davoneilen. Es wird schon deutlich leerer – nun bleiben vor allem noch die “graduate students”, die zumindest in meinem Umfeld größtenteils in einer Woche nach Hause fahren. (keiner meiner Kommilitonen, die ich kenne, kommt aus Hefei) Was ich genau zu dieser Zeit machen werde, habe ich mir noch nicht so genau überlegt!

Angesichts der kürzlich extremen Luftverschmutzung in Nordchina habe ich etwas recherchiert in der Hoffnung, einen vernünftigen Luftverschmutzungs-Vergleich zwischen chinesischen, europäischen und amerikanischen Städten zu finden. Ich habe leider nichts wirklich Zufriedenstellendes gefunden, nur eine weltweite Karte der NASA, die die Konzentration von Partikeln unter 2,5 Mikrometern in der Luft angibt:  Natürlich wird Luftverschmutzung im Sinne der Existenz von lebensschädigenden Stoffen in der Luft (ja, ich weiß diese Konstruktion klang bürokratisch …..) nicht nur vom Menschen hervorgerufen, sondern tritt auch natürlich auf. So ist die “Luftverschmutzung” (Wüstenstaub) in der Sahara und in der arabischen Wüste sehr hoch, obwohl es dort wirklich keine echte Industrie gibt – höher als in Deutschland! Überraschend fand ich auch, dass die Luftverschmutzung in Deutschland insgesamt über der in den USA liegen soll. Das Herz der bösen Luft sozusagen ist aber in Nordchina – mit einem südwestlichen Ableger, bei dem ich mal auf Sichuan tippen würde. Hier dürfte die Luftverschmutzung weniger natürliche Ursachen haben. Ich hoffe, dass die Chinesen einen guten Kompromiss zwischen Reichtum/einem guten Lebensstandard und Umweltschutz (der ja auch Einfluss auf den Lebensstandard hat – es ist ja alles andere als schön, wenn die Regierung von Beijing einem ständig rät, draußen keinen Sport machen zu sollen oder gar nicht erst hinauszugehen?) finden können …

Okay, wieder kleinere Themen: ich wollte ein ruhiges Cafe in Hefei suchen – es war aber eine dumme Idee, das am Samstagnachmittag im Gebiet um die Fußgängerzone zu tun.

Ich soll mir nun Gedanken zu möglichen Experimenten zum Magnetismus in ultrakalten Quantengasen machen. Ich finde das interessant, es ist nicht der normale Aufbau von Standardsachen, die viele davor auch gemacht haben. Außerdem sollten wir überhaupt ein Paper von Immanuel Bloch lesen, einem erfolgreichen Physiker der LMU in Garching. Es ist lustig, ans andere Ende der Welt zu gehen und dann doch nur lernen zu sollen, was die Leute in München so treiben. Überhaupt scheint es im Gebiet der ultrakalten Atomphysik besonders viele Deutsche zu geben – auch solche, die nun in den USA forschen. Unser Vakuumsystem ist praktisch fertig – ich habe nur noch das Problem, dass ich die Wasserkühlung eines Stahlrohrs ausrechnen/simulieren/testen soll, und ich weiß nicht, wie schnell ich das hinbekomme. Ansonsten habe ich noch eine Zusammenfassung all dessen gemacht, was ich bisher gemacht habe.

Ein Ausländer, der seit 8 Jahren in Hefei lebt, meinte zu mir, dass derzeit 8000 Ausländer in Hefei leben würden. Damit wären dann etwa 0,14 % der Leute in Hefei Ausländer. Vor 8 Jahren waren es noch 2000 Ausländer. Touristen kann man getrost vernachlässigen. Von den heutigen Ausländern sind die Hälfte praktisch nicht unterscheidbare Koreaner, Japaner, Taiwanesen, Philippiner, Malaien … Von der anderen Hälfte der “offensichtlichen Ausländer” sind 3000 nur vorübergehend hier, und etwa 1000 praktisch dauerhaft. Ich gehöre zu den vorübergehenden.