Erste wichtige Information: ich werde am 28.6., also sehr bald, nach München zurückkommen! Zweite wichtige Information: ich werde relativ bald wieder nach China verschwinden, und zwar nach Hefei.

Von 24.-27.5. war ich in Hefei. Hier werde ich, wenn alles glatt geht, ab in etwa drei Monaten an der University of Science and Technology of China (USTC) die Physik-Masterarbeit schreiben.

Hefei ist die Hauptstadt der Provinz Anhui, gar nicht allzu weit weg von Hangzhou (mit dem Zug bzw. Bus etwa 5 Stunden; wenn aber im Oktober dieses Jahres die Schnellzugstrecke Hangzhou-Nanjing fertig werden sollte, dürfte sich die Fahrtzeit halbieren) In Nanjing, der Hauptstadt Jiangsus, ist man schon in 1 Stunde mit dem Schnellzug. Von Hefei werden noch nicht so viele Mitteleuropäer gehört haben, sogar einige Chinesen wissen nicht genau, wo diese Stadt liegt. Sie ist keine große Stadt wie Hangzhou oder sogar Shanghai, doch leben im Stadtgebiet immer noch etwa so viele Menschen wie in Berlin.

Anhui ist zwar sehr nah am prosperierenden Jangtse-Delta (Zhejiang, Jiangsu, Shanghai), doch um einiges ärmer als dieses. Wenn China behauptet, noch ein Entwicklungsland zu sein, dann dürfte das auf Anhui wohl noch mit am ehesten zutreffen. Eine chin. Studentin erzählte mir, dass sie als Kind glaubte, „Menschen aus Anhui“ (anhuiren, 安徽人) würde „arme Menschen“ bedeuten. In Hefei sah ich zum ersten Mal in chinesischen Großstädten mehrere kaputte unbewohnte Häuser; außerdem sah ich nie so viele Bettler wie dort in der Innenstadt (allerdings ist es in anderen Weltgegenden sicher noch um einige Größenordnungen krasser). Ich finde es auf der anderen Seite aber auch interessant, etwas weiter von der prosperierenden Küstenregion und weiter im Inland zu leben, da das ja noch einmal eine andere Seite Chinas darstellt. Ich hoffe, meine Beschreibungen hören sich nicht zu negativ an; Hefei ist natürlich reich im Vergleich zum Umland und es dürfte auch wie die allermeisten Orte in China sehr sicher sein (sicherer als so einige US-amerikanische Großstädte?). Hier sind die Leute noch weniger an Ausländer gewohnt als in Hangzhou, man wird öfters angestarrt. Und ich habe das Gefühl, dass die Taxifahrer hier noch gesprächiger sind als in Hangzhou (und auf deren Ausweisen außerdem nicht so verbrecherisch aussehen), das kann aber auch nur ein selektiver Eindruck sein!

Wir hatten nun die Verteidigungen unserer Masterarbeiten und ein Abschiedsessen mit den Professoren/Organisatoren. Es gab eine Abschiedsshow der Sprach-Studenten (hier Englisch, Deutsch, Französisch und Japanisch), bei der einiges geboten war! Außerdem liefen hier in der letzten Zeit auch viele Absolventen mit ihren Absolventen-Roben herum, die einander andauernd fotografierten. (sozusagen das Ende im Vergleich zum – ich erinnere daran – Training in Militäruniformen beim Studienbeginn)

Ich hab mich öfters mit „Chinesisch als Fremdsprache“-Studentinnen getroffen, die mir vor allem Essen und nette Sprüche (wie z.B. Chengyu = Redewendungen bestehend aus meist 4 Schriftzeichen/Silben, zu denen es jeweils alte Geschichten gibt) beigebracht haben; z.B. aß Zhu Yuanzhang, der Gründer der Ming-Dynastie aus dem 14. Jahrhundert, gerne den „Drei-Gelb-Fisch“ aus Taizhou. Oder man sagt etwa „Ich bin beim Sojasauce kaufen“ und man meint „Das geht mich nichts an“. Oder wenn ein Mann von seiner Frau betrogen wird, dann trägt er eine „grüne Mütze“, etc. …

Eine dieser Studentinnen besuchte ich auch vor kurzem in ihrer Heimatstadt Fenghua (mit dem Bus etwas mehr als 2 Stunden, allerdings braucht man von meinem Campus zur Busstation in Hangzhou auch nochmal 2 Stunden mit dem Bus oder 1 Stunde mit dem Taxi), die zum Verwaltungsgebiet von Ningbo (auch Provinz Zhejiang) gehört. Hier haben wir uns erst einmal einen Tempel angeschaut. Ich bin inzwischen etwas gelangweilt von Tempeln, muss aber sagen, dass dieser besonders schön war, da es gerade regnete, es somit frische Farben gab und er auf einem Berg mit Wolkenfetzen war; außerdem gab es eine große goldene, wenn auch moderne (also nicht historische) Buddha-Statue.

Aus Xikou, einem Teil von Fenghua, kommt außerdem Chiang Kai-shek (Jiang Jieshi), seit etwa 1925 führender Kopf der Republik China und Unterlegener im Bürgerkrieg gegen die Kommunisten 1945-1949 nach der Vertreibung der Japaner aus China, woraufhin die Republik China nur noch auf Taiwan weiterlebte. Er starb ein Jahr vor seinem Erzfeind Mao Zedong im Jahr 1975.