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München – Abu Dhabi – Shanghai – Hefei

Was ich hier tue

Ich werde nun meine einjährige Physik-Masterarbeit an der Universität der Wissenschaft und Technologie Chinas (University of Science and Technology of China/USTC – sie wurde in Peking gegründet, ist aber während der Kulturrevolution 1966-1976 nach Hefei umgezogen) schreiben. Zwar bin ich noch an der Uni Heidelberg eingeschrieben, doch habe ich einen chinesischen Betreuer vor Ort – Zhensheng (ausgesprochen: Dschenscheng). Ich soll eine zweidimensionale magneto-optische Falle (MOT) für Lithium6-Atome bauen. Das heißt, ich werde Laser und magnetische Felder dazu benutzen, um Lithium-Atome (möglichst ein paar Milliarden pro Durchlauf) auf ein paar Kelvin, also auf etwa -270° C abzukühlen. Diese kalten Atome werden durch weitere Techniken wie dem Fangen in einer dreidimensionalen MOT etc. noch weiter bis nahe dem absoluten Nullpunkt abgekühlt, und dann werden ihre Eigenschaften untersucht ….. mal so allgemein gesagt. Die erste 2D-MOT überhaupt wurde 1998 gebaut, die erste 2D-MOT für Li 2009 – beide in Amsterdam. (es gibt aber noch alternative Wege, um Lithium bzw. Atome generell stark abzukühlen) Bei unserem Experiment ist bis jetzt sehr wenig aufgebaut, es gibt also einiges zu tun.

Hier bin ich im Hefei National Laboratory for Physical Sciences at Microscale. Hier wie auch in einer Zweigstelle in Shanghai wird an Quantencomputern und Quantenkryptographie gearbeitet. Meine Arbeit hat damit nur sehr am Rande zu tun, sie ist weniger anwendungsbezogen und mehr Grundlagenforschung. Bis man vernünftige Quantencomputer eventuell hat, falls überhaupt, wird es ähnlich wie bis zu funktionierenden Fusionsreaktoren (wie dem ITER in Südfrankreich) auf jeden Fall noch einige Jahrzehnte dauern. Allerdings könnte die Quantenkryptographie, die abhörsichere Datenübertragung basierend auf miteinander verschränkten Teilchen, schon früher Einzug in unseren Alltag finden. Erst im Jahr 2012 gelang Physikern von der Shanghaier Zweigstelle, Information quantenkryptographisch über dem Qinghai-See in Westchina (wo die Luft besonders klar ist, nicht so verdreckt wie in Shanghai oder in Hefei) über etwa 100 km durch die Luft zu übertragen (etwas Ähnliches gelang vor kurzem österreichischen Physikern auf den Kanaren). So in etwa 5 Jahren wird eine solche Datenübertragung auch von der Erde aus auf einen Satelliten versucht werden. Aber, wie gesagt, meine Arbeit hat damit nicht direkt etwas zu tun; die Leute, die das machen, sind hier praktisch nur unsere Nachbarn.

Abu Dhabi

Während meinem Flug nach Shanghai hatte ich am Mo den 17.9. einen geplanten Aufenthalt in Abu Dhabi von etwa 7 Uhr morgens bis 23 abends. Die Stadt Abu Dhabi ist die Hauptstadt und größte Stadt der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) am Persischen Golf. Die VAE besteht aus 7 Emiraten, deren größtes auch das Emirat Abu Dhabi ist. Ein anderes berühmtes Emirat ist Dubai, das nur etwa 1 Stunde entfernt mit dem Auto liegt.

Für die VAE brauchen Deutsche kein Visum, also bin ich auf Erkundungstour gegangen. Ursprünglich wollte ich eine Wüstentour machen, aber die habe ich nicht rechtzeitig geplant, so fuhr ich erst einmal mit dem Bus zur erst 2007 gebauten Schaich Zayid-Moschee, welche eine der größten Moscheen der Welt ist und so aussieht, als ob sie direkt 1001 Nacht entsprungen ist. Erst einmal musste ich ziemlich weit laufen, und ich war in der glühenden Sonne bereits um 9 Uhr morgens total verschwitzt. Das nächste Mal werde ich meinen schweren Rucksack definitiv am Flughafen abgeben und mir ein Käppi mitnehmen … Dann gab es an der Moschee keine Schilder, die zum Eingang führen, und ich musste erst um das riesige Gelände herumirren. Ich war ziemlich froh, als ich dann auch wirklich am Ziel angekommen war! Bereits hier gab es schon einige chinesische Touristen … (wobei, die gibt es in München ja auch massig) Abgesehen davon sind die VAE ja ein ziemlich buntes Gemisch aus (wenigen) einheimischen Arabern, aus Pakistanis, Bangladeschis, Filippinos, Schwarzafrikanern, Ägyptern etc. und Westlern. Und das alles aufgrund des Öls.

Da ich eine kurze Hose trug, musste ich ein weißes Gewand (eine Dishdasha vielleicht??) anziehen, um in das Innere der Moschee gelangen zu können. Der Eintritt ist frei.

Meine Suche nach einer näher gelegenen Busstation war erfolglos und so nahm ich ein Taxi zu einem Punkt, den ich als das Stadtzentrum ansah, am Strand gelegen. Ich lief etwas in den Straßen herum, und aus einem auf einem Balkon aufgestellten Lautsprecher erklang eine tiefe kläglich-melancholische Männerstimme, die unablässig mit Abstand dazwischen Allahu akbar (Allah ist groß) scheinbar mir letzter Kraft (kein Wunder bei der Hitze!!) seufzte. Irgendwann verlor ich wieder die Nerven und ich nahm ein Taxi zum Emirates Palace, einem schicken Hotel, in das ich mit kurzer Hose auch nicht hineingekommen wäre. Allerdings durfte ich etwas im Garten rumlaufen.

Es macht keinen Spaß, in Abu Dhabi zu Fuß herumzulaufen. Die Fußgängerwege verlaufen sich manchmal buchstäblich im Sand und sind nicht mehr existent. Hier nimmt man wirklich am besten ein Taxi. Erschöpft bin ich dann schon ziemlich früh zum Flughafen zurückgefahren und habe „Nudeln für das Volk“ gelesen, in dem eine chinesisch-stämmige US-Amerikanerin ihre Kocherfahrungen chinesisches Essen betreffend beschreibt. Leider wurde mein Flug nach Shanghai dann um 11 Stunden nach hinten verschoben und mir wurde eine teure Nacht im Crowne Plaza-Hotel bezahlt. Allein mein Abendessen-Buffet war 50 Dollar wert.

Hefei („Chöfäi“ – ch wie in ach, nur etwas weicher)

Zimmer, Mensa und Büro

Da ich am nächsten Tag erst spät in Shanghai ankam, musste ich noch eine Nacht dort übernachten und konnte erst am nächsten Tag mit dem Zug nach Hefei fahren (etwa 3 Stunden mit dem Schnellzug, wobei man erst mal innerhalb von Shanghai 1 Stunde mit dem Bus fahren muss). Hefei (heißt „zwei Dicke“ [Menschen]; antiker Name Luzhou) hat gemäß Wikipedia inklusive zugehöriger ländlicher Gebiete 5,7 Millionen Einwohner; in der Stadt selbst leben wohl 3,4 Millionen Menschen. Sie ist die Hauptstadt der eher ländlichen und armen (also nicht vergleichsweise reich wie etwa Zhejiang oder sogar Shanghai) Provinz Anhui in Ostchina mit 60 Millionen Menschen.

An der Bahnstation Hefei wurde ich dann von einem Masterstudenten meiner Arbeitsgruppe namens Qian („Tchiän“ – ch wie in ich) abgeholt und zu meinem Zimmer geführt. Hier wohne ich in einer WG (jeder mit Einzelzimmern) mit dem Doktoranden Jun („Dschün“), der in einer benachbarten Arbeitsgruppe auch mit kalten Atomen arbeitet. Er war vor kurzem auch für ein halbes Jahr in Heidelberg, und da er etwa seit 6 Jahren auf dem Ostcampus lebt, ist er praktisch ein Profi-USTCler, von dem ich sicher einige wertvolle Tipps bekommen kann! :-)

Ich wohne im Ostteil des Ostcampus im 6. und damit höchsten Stock meines Hauses (nach deutscher Zählart wäre es der 5. Stock; ohne Aufzug …). In diesem Ostteil lebten früher USTC-Professoren und –Dozenten, die nun aber größtenteils in den Südcampus umgezogen sind und hier nur noch mehr 10-15% ausmachen. Hier werden auch viele Wohnungen an Leute außerhalb der Universität vermietet. Meine Wohnung gehört einem chinesischen Physik-Professor, der die Wohnung von der Uni gestellt bekommt, nun aber bis auf weiteres in der Shanghai-Zweigstelle weilt. Sie hat alles, was man sich wünschen kann: ich habe hier sogar einen Parkettfußboden, eine Küche und eine Heizung (allerdings keinen Kühlschrank und keine Waschmaschine)! Da Hefei anders wie Hangzhou nördlich des Jangtse liegt (wenn auch nicht viel), sind hier Heizungen in normalen Wohnungen erlaubt. Diese Dinge sind für Deutschland Selbstverständlichkeiten, für China aber nicht, wo es vorkommen kann, dass die Studenten zu sechst in einem Zimmer leben (teils ohne Heizung oder Klimaanlage) und keinen Zugang zu einer Küche haben. Außerdem ist mein Zimmer hier nicht so überdimensioniert groß wie in Hangzhou, sondern normal klein, aber fein, und damit gemütlicher. Mein Haus ist ein typisch chinesisches Wohnhaus. Ich kenne meine Nachbarn noch nicht, allerdings leben hier wohl auch ein paar Rentner. An den Treppenhaus-Wänden sind rote Stempel mit Handynummern aufgebracht. Das Licht ist spärlich und geht nur bei Krach wie dem Einrasten der Tür an, es gibt also keine Schalter. Das Treppenhaus ist offen, d.h. weiter oben gibt es in Richtung Außen nur Wand-Ornamente und keine geschlossene Wand. Seit kurzem haben wir noch die Mitbewohnerin Lin.

Jun sitzt im Großraumbüro (in meinem Abteil gibt es etwa 24 Leute, im ganzen Raum vielleicht etwa 50, praktisch alle Chinesen …), in dem ich arbeite, 3 Sitze hinter mir. Ein Stuttgarter war bis vor einem Monat hier, und ein anderer deutscher Postdoc kommt vielleicht ab nächstem Sommer für einige Zeit. Eine schwarze Frau habe ich mal in das Gebäude hineingehen sehen. Sonst hab ich hier noch keine Ausländer entdeckt – und in den Mensen noch keinen einzigen! (apropos Mensa: es ist hier nicht so wie in einer deutschen Mensa. Die Mensa ist eher eine Ansammlung von privaten Schnelless-Buden, deren Köchen man bei ihrer Arbeit zusehen kann. Z.B. gibt es hier eine Nudelabteilung – ich glaube von chinesischen Muslimen betrieben –, die ihre Nudeln live per Hand machen. Hier werde ich sicher öfters essen) Allerdings kann ich natürlich nicht Chinesen von z.B. Koreanern, Japanern oder Malaien unterscheiden. Aber auf dem Campus gibt es trotzdem einige. Immerhin ist das Ausländerwohnheim hier komplett gefüllt, sodass ich da nicht mehr hinein konnte. Wenn es hier aber Ausländer gibt, dann sind es eher weniger Westler (außer vielleicht der eine oder andere Englischlehrer), sondern eher Afrikaner, Südasiaten und andere Ost-/Südostasiaten etc.

Für etwa 70 Cent werden innerhalb von etwa 3 Minuten ein Teigklumpen mit den Fingern zu Nudeln auseinandergezogen (eine Spezialität aus Shanxi, einer Provinz in Nordchina, sagt mein Wörterbuch), sie werden gekocht und etwas frisches Gemüse wird dazugegeben – fertig.

07In meinem Treppenhaus sind einige Handynummern auf die Wand gestempelt worden.

In meiner Arbeitsgruppe gibt es abgesehen von Zhensheng inklusive mir 6 Leute, alles Masterstudenten. Ein paar können leider kein so gutes Englisch, mal sehen, wie das so wird. Ist aber gut für mein Chinesisch! Es gibt noch einige andere Gruppen, die sich mit ähnlichen Dingen wie wir beschäftigen, z.B. Juns Gruppe.

Qian half mir am Tag nach meiner Ankunft in Hefei auch noch netterweise bei vielen Sachen, wie z.B. bei Bettwäschekauf, Kontoeröffnung, Mensakartenbeschaffung und bei der Meldung bei einer Polizeistation. Bei letzterer war gerade Mittagspause und die Polizisten liefen alle mit ihren Reisschüsseln in der Hand hin und her. Ich wurde aber dennoch registriert :-)

Der Ostcampus

Eigentlich ist der Campus ein großer Park mit ein paar Gebäuden zwischendrin. Er gefällt mir damit mehr als der alte Zijingang-Campus in Hangzhou. (alt, da ich dort nicht mehr bin, er ist ja erst etwa 7 Jahre alt) Es gibt hier überhaupt viele Bäume und zwischendurch kleinere Parkanlagen, bei mir um die Ecke ist z.B. der „Granatapfelgarten“. Es gibt auch den einen oder andern chinesischen Pavillon und mindestens zwei kleine Seen hier.

Der Ostcampus liegt auch mehr im Stadtzentrum als der alte Zijingang-Campus. Auf dem Campus selbst leben auch ein paar einfache Leute, die hier z.B. Wäschereien, Obstläden oder Fahrradläden betreiben. Ich hab auch ein freilaufendes Huhn gesehen. Es gibt hier wie in Zijingang auch einige Katzen (aber ziemlich scheu). Dreimal hab ich sogar eine durch unser Großraumbüro huschen sehen. Die Wächter am Eingang des Gebäudes, der offen ist, können wohl nicht jede Katze am Eintreten hindern. Vielleicht suchen sie ihre Artgenossin vom Herrn Schrödinger. Ich hoffe bloß, dass so eine Katze nicht mal über unsern Labortisch hüpfen wird, aber da gibt es ja dann geschlossene Türen ;-)

Hier noch ein paar sehr schöne Bilder vom Ostcampus, an deren Qualität ich wohl nicht herankommen werde.

Überhaupt hab ich in meiner Umgebung sicher einige schöne Motive ausgelassen, aber ich kann ja nicht alles fotografieren ……

Ausflug zum Schwanensee

Am Sonntag vor einer Woche machte ich einen Ausflug zu den Regierungsgebäuden Hefeis und zum gleich südlich davon gelegenen Schwanensee. Hier entdeckte ich außerdem ein Stadion, in dem gerade ein Konzert des taiwanesisch-amerikanischen Sängers Wang Lihong stattfand. Ein paar Impressionen aus Hefei (ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit):

2012-10-02 15.17.52Diese Bilder sehen zum Teil etwas trist aus. Trotzdem ist Hefei insbesondere im Zentrum eine erstaunlich grüne und sogar sehr schöne Stadt, wie ich bei einer kürzlichen Fahrradtour festgestellt habe (aber das hängt natürlich vom einzelnen Teil Hefeis ab). Denn ich habe mir nun ein ziemlich gutes Fahrrad geleistet, nicht solche Drahtesel wie das letzte Mal in Hangzhou.

Und wer sich für chinesische Feiertage interessiert: heute, am 30.9. ist das Mondfest (anlässlich dessen Mondkuchen gegessen wird) und am 1.10. ist der Nationaltag, da dann vor genau 63 Jahren die Volksrepublik China offiziell gegründet wurde, anlässlich dessen ich nun auch eine Woche Ferien habe. Außerdem war am 10.9. der Lehrertag, an dem meine Arbeitsgruppe Zhensheng geschlossen einen Blumenstrauß überreichte – da war ich aber noch nicht da. In Taiwan war der Lehrertag dagegen am 28.9., dem Geburtstag des Konfuzius.

Hefei, Fenghua, Letzte Tage

Erste wichtige Information: ich werde am 28.6., also sehr bald, nach München zurückkommen! Zweite wichtige Information: ich werde relativ bald wieder nach China verschwinden, und zwar nach Hefei.

Von 24.-27.5. war ich in Hefei. Hier werde ich, wenn alles glatt geht, ab in etwa drei Monaten an der University of Science and Technology of China (USTC) die Physik-Masterarbeit schreiben.

Hefei ist die Hauptstadt der Provinz Anhui, gar nicht allzu weit weg von Hangzhou (mit dem Zug bzw. Bus etwa 5 Stunden; wenn aber im Oktober dieses Jahres die Schnellzugstrecke Hangzhou-Nanjing fertig werden sollte, dürfte sich die Fahrtzeit halbieren) In Nanjing, der Hauptstadt Jiangsus, ist man schon in 1 Stunde mit dem Schnellzug. Von Hefei werden noch nicht so viele Mitteleuropäer gehört haben, sogar einige Chinesen wissen nicht genau, wo diese Stadt liegt. Sie ist keine große Stadt wie Hangzhou oder sogar Shanghai, doch leben im Stadtgebiet immer noch etwa so viele Menschen wie in Berlin.

Anhui ist zwar sehr nah am prosperierenden Jangtse-Delta (Zhejiang, Jiangsu, Shanghai), doch um einiges ärmer als dieses. Wenn China behauptet, noch ein Entwicklungsland zu sein, dann dürfte das auf Anhui wohl noch mit am ehesten zutreffen. Eine chin. Studentin erzählte mir, dass sie als Kind glaubte, „Menschen aus Anhui“ (anhuiren, 安徽人) würde „arme Menschen“ bedeuten. Read more »

International Day, Masterarbeit, Nordost-Hangzhou, Reise

Eine Version der Masterarbeit habe ich abgegeben, nun versuche ich, Chinesisch zu lernen … Ein paar Leute habe ich, die mir Chinesisch beibringen wollen/können. Und ich habe den HSK3-Test bestanden, den ich am 18.3. gemacht hatte.

Hangzhou International Day
Am Mi dem 26.4. war der Hangzhou International Day. Die Regierung von Hangzhou hat es mal wieder ziemlich krachen lassen und lud dafür diverse in und um Hangzhou lebende Ausländer dazu ein, sich mit einem Reisebus herumkutschieren (es waren insgesamt etwa 10 Busse), zum Essen einladen zu lassen, Hangzhou allgemein besser kennenzulernen und Sehenswürdigkeiten anzuschauen. Das Mittagessen bestand hauptsächlich aus Fleisch.

Vor dem Eingang des Restaurants hatten sich auch Chinesen traditionell angezogen, um uns zu empfangen. Dann waren da noch zwei, die Liangzhu nachgesungen haben, abgesehen vom Hintergrund in etwa so: hier klicken

Dann sahen wir z.B. eine Wohnsiedlung in Hangzhou, wo eine kleine Shaoxing-Oper (auch: Yue-Oper; das ist ein Stil der chinesischen Oper, andere sind etwa die Beijing-Oper oder die Sichuan-Oper) vorgespielt wurde – ja, tatsächlich! Ein Beziehungsstreit, allerdings nur etwa 10 Minuten lang und sowohl die Musik als auch der Gesang waren Playback. Und ich habe gehört, dass es diese Oper nur einmal im Jahr dort in der Siedlung gibt, und nur für die Ausländer. So etwas soll es dort in der Nähe auch im ehemaligen Haus eines reichen Händlers aus dem 19. Jahrhundert geben, allerdings auch eher show-mäßig und nicht „echt“ wie vor 100 Jahren.

Wie auch immer, in dieser Wohnsiedlung war es sehr nett, es waren viele Chinesen da – darunter viele ältere Leute, aber nicht nur –, wir konnten scharfen Fisch und Pfannkuchen probieren, haben eine eingewickelte chinesische Medizin gegen Mücken bekommen, uns mit den Leuten unterhalten ….. Am Abend gab es dann noch eine Einladung zur „Impressions of the Westlake“-Show, die u.a. von Zhang Yimou konzipiert wurde und bei der eine Hangzhouer Liebesgeschichte nachgespielt wird. Dabei sitzt man draußen und das Ganze spielt auf einem abgegrenzten Teil des Westsees, hier gibt es Bilder:

http://randymiller.com/portfolio/impression-west-lake/
http://www.flickr.com/photos/bukakke/sets/72157624404780008/with/4754559788/

Sie war zwischendurch ziemlich beeindruckend und wunderschön. Dabei gab es z.B. auch Trommler, ähnlich zu denen am Anfang der Beijing-Olympiade-Eröffnungsshow.

Masterarbeit
Am letzten Mi den 2.5. habe ich meine Masterarbeit für einen „anonymous review“ abgegeben, d.h. sie wird nun von Professoren anderer Universitäten darauf hin überprüft, ob sie würdig ist, später verteidigt zu werden, und es werden Verbesserungsvorschläge gemacht. Ich hatte mein Thema gewechselt, d.h. ich schrieb nun nicht über Windenergie in China, sondern über den Transfer von Kanonenbau-Technologie von Europa nach China von der Ankunft der Europäer auf dem Seeweg im frühen 16. Jahrhundert bis zur Einverleibung Taiwans in Qing-China 1683.

Eigentlich schrieb ich aber auch über den Ursprung von Schießpulver und Feuerwaffen in Song-China (10.-13. Jahrhundert), über die Geschichte von Feuerwaffen allgemein und darüber, wie die Jesuiten den Transfer des (häretischen) Heliozentrismus nach China unterließen (obwohl sie den chinesischen Kalender im 17. Jahrhundert, basierend auf dem ptolemäischen Weltbild, reformierten) – als ein anderes Beispiel von Wissensaustausch im 16. und 17. Jahrhundert. Die Chinesen konnten im 17. Jahrhundert aber z.B. noch besseres Gusseisen herstellen und sie hatten eine entwickeltere Landwirtschaft. Mal sehen, was die Reviewer dazu meinen werden.

Der Grundgedanke ist der, dass Europa ab etwa 1500 bessere Kanonen besaß, diese aber nicht sehr viel besser als z.B. die chinesischen waren, da China die europäischen Neuentwicklungen während dieser Zeit auch eifrig übernommen hat, was sicher auch mit dem Ming-Qing-Übergang zu tun hat, der, wenn man so will, in der Zeit 1618-1683 stattgefunden hat (der richtige Dynastienwechsel war dann 1644). Es gibt Schätzungen, dass während dieser Zeit die Bevölkerung Chinas wegen Krieg, Hunger und Seuchen zeitweise um 40% im Vergleich zu der Bevölkerung von 1600 zurückging. Ähnliches passierte auch bei dem Yuan-Ming- (14. Jahrhundert) und bei dem wohl noch katastrophaleren Song-Yuan-Übergang (13. Jahrhundert).

Nordost-Hangzhou
Am Mi den 2.5. bin ich mit dem Fahrrad durch das mysteriöse Nordost-Hangzhou gefahren.

Mysteriös deshalb, weil ich davor noch nie dort war. Es gibt glaube ich nicht viele Gründe, dorthin zu fahren. Mein Campus liegt in Nordwest-Hangzhou, und alle interessanten/bekannten Sachen sind in der Innenstadt östlich und nördlich des Westsees oder insgesamt um den Westsee herum.

Über Nordost-Hangzhou hatte ich aber noch nichts Besonderes gehört. Also mache ich mich auf die Reise ins wirkliche Leben, mal raus aus dem Campus mit Micky Maus-Atmosphäre, wo alles ziemlich geordnet und sauber ist. Letztendlich habe ich dort zwei Viertel gefunden, die engere Straßen haben, wo es teilweise ziemlich wuselt, mit Grillständen, Kleidungsständen, vielen kleinen Restaurants, usw. usf. Diese Viertel sind um einiges interessanter als die breiten Straßen und die immer gleichen großen Häuserblocks mit Hochhäusern und darunter gefühlten 1/3 Baustellen, wo wieder neue Hochhäuser ähnlich dem meinen gebaut werden.

Ansonsten wird gerade eine Schnellzug-Strecke von Hangzhou aus in Richtung Norden nach Nanjing gebaut, wie sie in den Nordosten nach Shanghai z.B. seit Oktober 2010 existiert. Und es gibt im Norden den „Halben Berg“, ein Park/Gebiet darum wurde erst 2011 eröffnet.

Am Fr den 4.5. war ich außerdem mit einem Freund im ebenso vor kurzem eröffneten Liangzhu Culture Museum, auch im Norden Hangzhous. Die Liangzhu-Kultur (liángzhǔ, 良渚) – nicht zu verwechseln mit der Liangzhu-Liebesgeschichte! (liángzhù, 梁祝) – ist das, was im Jangtse-Delta vor etwa 3000 Jahren passierte, mit Jade-Kunstgegenständen usw. Das Museum war ungefähr ähnlich dem Jinsha Site Museum in Chengdu, das den Shu-Staat in Sichuan vor etwa 3000 Jahren darstellt, wenn auch nicht ganz so groß.

Und zum Abschluss noch ein paar Bilder davon, was ich mit meinem Besuch so alles gesehen/erlebt habe :-)

Zu den Bildern vom Dujiangyan-Bewässerungssystem in Sichuan: Es wurde vor etwa 2250 Jahren, kurz vor der ersten Einigung Chinas, von Li Bing erbaut, und ist zusammen mit modernen Erweiterungen auch heute noch in Betrieb. Es dient dazu, Fluten zu verhindern und die Bewässerung allgemein zu kontrollieren und trägt damit auch zur Fruchtbarkeit Sichuans bei.

Weitere  Bilder von Chengdu, Dujiangyan, Guilin, Longsheng, Yao Minderheit, Shangri-La scenic spot, Dong Minderheit, li Fluss, Giant Panda Breeding Research Base (Xiongmao Jidi), Huanglongxi, sind über die Menüpunkte Bildergalerie … zu finden

Nanjing

schildDann ging es nach Nanjing am Unterlauf des Jangtse, nicht allzu weit von Shanghai und Hangzhou. Ein Argument unter anderen dafür war, dass für das Laternenfest am 6.2. (und die Tage davor) einiges geboten war.
Im Winter 1937/38 verübten die Japaner hier das sog. Nanjing-Massaker, bei dem eventuell 300.000 Chinesen starben und mindestens 20.000 Frauen zwischen 11 und 76 Jahren vergewaltigt wurden und das zu den größten Verbrechen in der Menschheitsgeschichte gehört. Nanjing war damals die Hauptstadt der Republik China (danach wurde sie ins ferne Chongqing in Westchina verlegt). Die Japaner schienen das nach dem Motto gemacht zu haben: „Wagt es nicht, uns anzugreifen, denn seht, zu was wir in der Lage sind.“ Die Japaner wollten tatsächlich auch nur den Ostteil Chinas und nicht ganz China erobern bzw. unter ihren Einfluss bringen. Die Nachrichten über das Massaker befeuerten aber natürlich den Hass der Chinesen auf die Japaner. 1945 wurden sie bekanntlich vertrieben.

Einige Chinesen wurden von dem Deutschen John Rabe („Schindler des Ostens“) und anderen Ausländern gerettet, die eine internationale Schutzzone errichteten.

In Nanjing gibt es am Purpur-Gold-Berg außerdem das Mausoleum von Sun Yat-sen, dem zentralen Kopf der Revolution von 1911. Und zudem das Grab von Zhu Yuanzhang, der die Chinesen von der Mongolenherrschaft befreite und 1368 die Ming-Dynastie gründete (Regierungsname Hongwu, posthumer Name Taizu). Er war ursprünglich ein einfacher Bauerssohn (und außerdem für seine Hässlichkeit bekannt).

Wuhan

Dann fuhr ich nach Wuhan, die Hauptstadt Hubeis nicht weit im Norden von Yueyang. Ich nahm den Hochgeschwindigkeitszug, einen Teil der Strecke Wuhan-Guangzhou, die im Dezember 2009 in Betrieb genommen wurde. Die Geschwindigkeit ist bis zu 350 km/h und China scheint für sich damit in Anspruch zu nehmen, den schnellsten Zug der Welt zu besitzen. Eine Schnellzug-Verlängerung Wuhan-Beijing soll 2012 folgen.

Der ebenfalls im Dezember 2009 eröffnete Wuhan-Bahnhof. Er ist neben Wuchang, Hankou und Hanyang nun der vierte große Bahnhof Wuhans.

Inmitten der grauen, großen, lauten (ich mag sie trotzdem, z.B. wegen reganmian = heiße trockene Nudeln, die man zum Frühstück heißt, auch gerne scharf) Stadt Wuhan steht ihr Wahrzeichen, der berühmte Gelber-Kranich-Turm (natürlich wieder aufgebaut in den 1980ern), ähnlich dem Yueyang-Turm, nur größer.

Wuhans erste Brücke über den Jangtse in der Geschichte wurde 1957 gebaut; sie war bis 1995 die einzige. Seit 2008 besitzt Wuhan auch einen Tunnel unter dem Jangtse. Der Brücke (wie vielen anderem auch) widmete Mao Zedong auch ein Gedicht, das Schüler zumindest in Wuhan in der Schule lernen. Damit wurde eine direkte Eisenbahnfahrt von Guangzhou nach Beijing möglich. Der Name Wuhan wird übrigens erst seit 1927 verwendet. Die Stadt bestand ursprünglich aus den drei Städten Wuchang (östlich des Jangtses), Hankou (nördlich der Mündung des Han-Flusses in den Jangtse) und Hanyang (südlich der Mündung des Han-Flusses in den Jangtse). Um diese Zeit war Wuhan auch ungefähr für ein Jahr die Hauptstadt der Republik China (davor Guangzhou, danach Nanjing).

Wuhan ist außerdem für den Wuchang-Aufstand 1911 bekannt, der die Revolution auslöste und die Jahrtausende alte Tradition des Kaiserreichs wegblies.

Dann fuhr ich noch ins nah gelegene Chibi.

Hier gab es am Ende der Han-Dynastie im Winter 208/9 eine Schlacht zwischen Cao Cao auf der einen Seite und Liu Bei und Sun Quan auf der anderen Seite. Read more »