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Gassengewirr, Fisch mit chinesischem Sauerkraut und Karaoke

Nun sitze ich hier Zuckerrohr (das oft in ganzen Rohren bei Obstläden steht und dann vom Verkäufer direkt gehackt und geschält wird; in diesem Eintrag wird überhaupt viel von Essen die Rede sein) kauend und ausspuckend am Blog schreiben. Zur letzten Woche:

Zunächst hab ich schändlicherweise erst vor kurzem an einem nebligen Abend ein nettes Gassengewirr gleich südlich meines Campus entdeckt. Überhaupt habe ich das Gefühl, dass das Gebiet meines Campus in Hefei eine Art Grenze darstellt. Nördlich davon gibt es eher hohe urbane Bürotürme und die reichere Innenstadt, südlich davon wird es teilweise schäbig. Dort gibt es auch mehr Ansammlungen von Grillständen, und eben solche nette dunkle enge Gassen (mit am Anfang vielen kleinen Restaurants, Läden etc., später dann nur noch Hauseingänge). Hier einige Bilder:

hefei_57Das große Gebäude links ist mein Mikrophysik-Gebäude am Südende meines Campus. Die beiden Türme rechts sind die 瀚海星座- (großes Meer-Sternenkonstellation-) Gebäude gleich außerhalb des Campus. In letztere werde ich vielleicht ab Juli ziehen, da dann der brütend heiße Sommer Einzug gehalten haben wird, meine Wohnung keine Klimaanlage hat und mein Mitbewohner ab etwa dieser Zeit auch seine Doktorarbeit in Shanghai fortsetzen wird

Meine neue chinesische Lieblingsspeise ist Fisch mit „chinesischem Sauerkraut“ aka 酸菜鱼 (siehe Galerie), eine – natürlich – Spezialität aus Sichuan. Fischstücke schwimmen hier in scharfer Suppe. Das gibt es hier komischerweise öfters, ich bin wohl nicht der einzige Mensch in Hefei, der das gerne isst. Die ersten etwa 2x habe ich es auch in Hangzhou gegessen, allerdings war mir damals der Name entfallen.

Eine Speise, an die man sich erst gewöhnen muss sind die etwas glibbrigen „tausendjährige Eier“ (siehe Galerie), an deren Geschmack man sich finde ich erst einmal gewöhnen muss, die ich aber inzwischen sehr gerne esse (wie ja seit längerem schon Tofu); unten links ein Gericht mit Erdnüssen und Lammfleischstückchen u.a.; rechts ein Reisbrei, auch mit kleinen tausendjährigen Eierstücken – das einzige nicht so tolle

Es gibt einige Stände, die Fleisch-, Fisch und Gemüsestücke am Spieß auslegen (aber auch größere Fleischstücke oder eine ganze große Aubergine; oder Austern). Man kann sich das Essen seiner Wahl in eine Schale legen, übergibt sie den Grillmeistern, setzt sich und wartet, bis es fertig ist. Diese Stände machen abends auf und grillen teilweise bis tief in die Nacht hinein – je nach Kundschaft. Sie sind aber eher dreckig und werden von einigen Chinesen daher grundsätzlich gemieden. Aber ziemlich urig.

Eine Art „Heimatgrill“ wie in Hangzhou habe ich hier noch nicht, allerdings habe ich die ganzen Grilllokalitäten südlich meines Campus noch nicht systematisch ausprobiert.

Dann war ich in letzter Zeit noch 2x mit andern im KTV (Karaoke-TV, also Karaoke), darunter zum ersten Mal nur mit Chinesen, und überhaupt die ersten Male in Hefei. Ich habe es früher schon einmal erwähnt: KTVs in China sind nicht mit denen in Deutschland vergleichbar. KTVs ähneln oft eher Palästen. Man mietet sich mit seinen Freunden einen separaten Raum für eine bestimmte Zeit und singt nicht vor Fremden (überhaupt sind z.B. WG-Parties, bei denen man zum großen Teil Fremden über den Weg läuft, in China meines Wissens nach eher nicht existent; man bleibt tendenziell unter sich). Dabei ist ziemlich viel Alkohol geflossen, das liegt aber an den Leuten, mit denen ich aus war, und ist bei weitem nicht grundsätzlich so. Und es wurden mir mittendrin Hühnerfüße aus der Plastikpackung angeboten – ich habe das also nicht nur als Mitbringsel nach Deutschland gebracht, das wird hier auch wirklich, ab und zu, gegessen! Ich finde, dass Chinesen, Männer wie Frauen, oft sehr gut singen können, und zwar hauptsächlich sehr gefühlvolle Lieder, die in China am populärsten sind und am weitesten verbreitet.

Bis jetzt kann ich nur die chinesische Nationalhymne (leider auch nicht mehr so perfekt) und „Zwei Tiger“ singen (zu der Melodie von „Bruder Jakob“), letztere direkt übersetzt:

Zwei Tiger, zwei Tiger,
Rennen so schnell, rennen so schnell,
Einer hat keine Ohren,
Einer hat keinen Schwanz,
Sehr komisch, sehr komisch.

:-) … Beide sind aber leider nicht sonderlich KTV-tauglich.

Ich habe mich dennoch etwas am Singen versucht (an englischen Liedern), allerdings eher in einer kläglichen Weise. Ich kenne nicht einmal die Namen der bekanntesten Lieder, da ich singbare Lieder eigentlich nie höre. Metal und Techno kommen da schlecht an … Nun muss ich aber definitiv einige Lieder lernen, bis jetzt habe ich bei mir zu Hause nur ein paar von Linkin Park geübt und z.B. „Hey Ya“ von OutKast. Sind aber auch nicht so die klassischen gefühlvollen Lieder. Bis jetzt habe ich leider auch nicht (von Männern gesungene – von Frauen schon eher) chinesische Lieder gefunden, die mir wirklich gefallen, außerdem braucht es natürlich Zeit, sie zu lernen, aber ich habe – mal wieder – den festen Plan, mich weiter umzuhören und welche zu lernen!

Bevor ihr aber denkt, ich wäre in der letzten Zeit nur in KTVs, an Grillständen und in dunklen Gassen unterwegs gewesen, dann muss ich dem entgegenhalten, dass ich auch gelernt habe. Gerade schreibe ich anlässlich eines in den nächsten Tagen anstehenden mündlichen Berichts eine Zusammenfassung dessen, was ich in den letzten Monaten gemacht habe. Ich kann mich nur dem Schlusssatz des letzten Eintrags anschließen und hoffe, dass wir unsere größere Vakuumteil-Bestellung und ein paar andere kleinere Sachen noch vor dem Frühlingsfest hinkriegen werden – dafür bleiben uns noch knapp 2 Wochen.

Ich bin in letzter Zeit außerdem dazu übergegangen, im Büro anstatt heißem Wasser und Instant-Kaffee (solche heiße Wasser-Maschinen gibt es ja überhaupt ziemlich oft, so in der Uni und in Zügen; mit diesen kann man sich etwa auch die – ursprünglich aus Japan stammenden – „bequemen Nudeln“ zubereiten, die ich aber nicht wirklich mag) den Tee eines Freundes aus Lu’an zu trinken, dem Gebiet westlich von Hefei. Das war es erst einmal wieder aus meinem Leben.

Deutschland und Rückreise

Weihnachten und Silvester sind vorüber, mein Deutschland-Aufenthalt auch. Es hat mich gefreut, viele von euch dort sehen zu können!
Daher zur Abwechslung ein paar Deutschland-Fotos.

Mein Rückflug ging über Wien, wo ich tagsüber herumlaufen konnte. Danke für die Tour, Felix!

Bedeutende Kleinodien des Heiligen Römischen Reiches  wie Reichskrone, die Heilige Lanze, das Reichsschwert, den Krönungsmantel, den Reichsapfel etc., die in der Wiener Hofburg aufbewahrt werden, konnte ich leider nicht sehen – vielleicht beim nächsten Mal! ;-) Read more »

Die Welt geht unter …

und zwar am 21.12.2012 um 24 Uhr, wenn ich es richtig verstanden habe. Vermutlich meinten die Mayas die Zeitzone der Central Standard Time Yucatans etc., das würde dann meinen Berechnungen nach dem 22.12. 7 Uhr mitteleuropäischer und dem 22.12. 14 Uhr chinesischer Zeit entsprechen.

… aber ich komme trotzdem nach Deutschland, und zwar am 23.12. für etwa zwei Wochen. Falls wer etwas Besonderes möchte, vielleicht kann ich es noch besorgen. Zur Auswahl stehen etwa Tee, Seide, chinesische Malereien, Zigaretten, Schnaps, Sichuan-Pfeffer und so ein Krimskrams!

Hier gibt’s nun auch endlich ein paar mehr Fotos von Hefei, alle leider schon wieder etwas verstaubt (da war es noch wärmer).

Noch ein Link zu Architektur in China.

Bei dieser Gelegenheit drück ich euch noch ein paar interessante Fakten betreffend des Energieverbrauchs in China auf die Nase.

  • 1993 China wird Erdöl-Nettoimporteur (davor war es Nettoexporteur)
  • 2010 China verbraucht mehr Energie als die USA; Saudi-Arabien verkauft zum ersten Mal mehr Öl nach China als an die USA
  • 2011 China wird der weltgrößte Kohle-Importeur (1975-2011 war es Japan) (China ist auch der größte Kohlehersteller und Kohleverbraucher)
  • Vorhersage von Goldman Sachs: China wird die USA Mitte 2013 als der größte Ölimporteur ablösen
  • China ist aber noch nicht der weltgrößte Öl-Verbraucher, das sind noch die USA

Hier noch ein neuer Internet-Trend aus China, die App Weixin (direkt übersetzt: „Mikro-Brief“ [SMS ist „kurzer Brief“]; englischer Name „WeChat“), das eine Art mobiles Facebook sein will, aber lest selbst.  In China sind Facebook, Twitter und Youtube gesperrt – anstelle dieser haben sich andere, stärker gefilterte Webseiten entwickelt. Und anstatt Google wird hier etwa meistens Baidu verwendet.

Neuer chinesischer Name

Kurz und knapp: 应德 Yīngdé

Mein chinesischer Name war bis jetzt eine relative Katastrophe. Wie allseits bekannt ist, werden in China ja Schriftzeichen und keine lateinischen Buchstaben verwendet. Dementsprechend werden ausländische Namen auch durch chinesische Schriftzeichen ausgedrückt, deren Aussprache 400-450 mögliche Silben hat, die jeweils 4 Töne haben (und einen neutralen Ton; werden durch die Striche über den Vokalen angegeben), was relativ wenig ist. Die Anzahl der möglichen Aussprachen sind also begrenzt, z.B. enden alle möglichen Silben auf einen Vokal, auf „n“, auf „ng“ oder auf „r“. Read more »

China, USA, Hefeis Besonderheit, usw

Mein Fahrrad ist wie gesagt sehr genial.

Erst einmal ein bisschen Politik-Grundwissen ;-) Am 8. November beginnt der 18. Parteitag der KP Chinas. Er fand seit dem Jahr 1977 regelmäßig alle 5 Jahre statt (davor unregelmäßig). Es gilt seit längerer Zeit als ziemlich klar, dass an diesem offiziell beschlossen werden wird, dass Präsident Hu Jintao (zwischendurch mächtigster Mann der Welt, aktuell gemäß der Forbes-Liste Dritter hinter Barack Obama und Wladimir Putin) von Xi Jinping („Schi Dschinping“) und Premier Wen Jiabao von Li Keqiang („Li Ketchiang“) abgelöst werden werden. Die beiden derzeitig regierenden mächtigen Männer Chinas sind seit dem Jahr 2002 an der Macht; und die beiden neuen sind sogenannte „Prinzlinge“: ihre Karrieren wurden offenbar ganz erheblich durch ihre jeweiligen Väter begünstigt, welche früher mächtige Parteimitglieder waren. Li Keqiang wurde übrigens in Anhui geboren und ging eine Zeit lang in Hefei zur Schule. Zwei Tage davor, am 6. November, sind die Präsidentschaftswahlen in den USA. In China ist es klar, wer die nächsten starken Männer sein werden – in Amerika ist es das nicht. Wie auch immer, in ein paar Tagen werden die Führungspositionen der zwei größten Volkswirtschaften der Welt neu besetzt/gewählt.

Außerdem soll noch erwähnt sein, dass an diesem kritischen Zeitpunkt gerade am letzten Freitag ein Artikel in der New York Times mit dem Inhalt erschien, dass Wen Jiabaos Familie inzwischen 2,7 Milliarden US-Dollar angesammelt haben soll. Daraufhin wurden die Website der NYT etc. in China gesperrt. Es wurde meines Wissens aber keine direkte Korruption nachgewiesen. Eigentlich wollte die KP mit der Entmachtung des Bürgermeisters Chongqings im letzten März, Bo Xilai, schon eine Art Selbstreinigung inszenieren. Read more »