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Huang Shan – 2

Ich fuhr mit meinem Onkel wild durch Shanghai und Hefei, bis wir an einem sonnigen, relativ warmen Samstagmorgen am Fuße des Huang Shan, der „Gelben Berge“, landeten. (ein älterer Eintrag zum Huang Shan befindet sich ->hier<-)

Hier lernten wir den netten Mr Cheng kennen, der in Tangkou am Fuße des Huang Shan ein Restaurant betreibt und uns mit einigen interessanten Informationen versorgte. Er ist zusammen mit Mr Hu, der auch in Tangkou ein Restaurant betreibt, extra in meiner 2009er-Lonely Planet-Ausgabe erwähnt.

Zuerst liefen wir weiter unten an den „Neun-Drachen-Wasserfällen“ (九龙瀑 ) entlang:

Dann fuhren wir mit der „Wolkental-Seilbahn“ weiter nach oben. Es hatte sich im Wetterbericht schon angekündigt – wir fuhren in den Nebel hinein und dieser sollte uns dort oben leider auch nicht mehr verlassen. Somit konnten wir die schöne Landschaft des Huang Shan leider nicht zu Gesicht bekommen. Auf der anderen Seite hielt sich glücklicherweise daher der dortige übliche Touristenrummel in Grenzen.

Die Karten auf dem Gipfel und in meiner Hand waren ziemlich verwirrend und zum Teil sicher falsch. Trotzdem hat es natürlich geklappt :-)

Dann ging es nach Tunxi, der Verwaltungssitz von Huang Shan-Stadt. Eine Stadt in China ist nicht etwa ein zusammenhängendes urbanes Siedlungsgebiet, es ist vielmehr eine Stadt mit umliegenden ländlichen Gebieten, deren Bevölkerung manchmal die Bevölkerung der eigentlichen zentralen Stadt um ein Vielfaches übersteigt. In China gibt es sehr viele beeindruckend große Städte. Wenn man aber hört, dass etwa in Chuzhou, einer Stadt in Anhui gleich nordwestlich von Hefei, aus der auch der neue Premier der VR China Li Keqiang stammt, 4,5 Millionen Einwohner hat, dann sollte man bei genauerem Hinsehen feststellen, dass in den eigentlichen beiden zentralen Stadtgebieten Langya und Nanqiao nur 500.000 Menschen leben.

In Tunxi gibt es eine schöne, sehr lange altertümliche Straße, die, finde ich, sowohl was Länge als auch Schönheit betrifft, sehr gut mit der Heidelberger Fußgängerzone mithalten kann! Auf dem ersten Bild sind auch typische weiße Häuser mit schwarzen Dächern im Huizhou-Stil zu sehen. Huizhou ist eine Stadt in Süd-Anhui, aus der traditionellerweise viele Händler kamen.

Shanghai

Als nächstes ging es nach Shanghai.

Dort war ich noch im Shanghai Urban Planning Exhibition Center.

Die Lichterpunkte in diesem verwackelten Bild sind nicht etwa Sterne – es sind Kong-Ming-Laternen. Ein sinnvollerer Name für sie, direkt aus dem Chinesischen (天灯, tiāndēng) übersetzt, ist Himmelslaterne. Ihre Erfindung wird traditionellerweise Zhuge Liang (181 – 234) zugeschrieben, der auch in den Kriegen zum Ende der Östlichen Han-Dynastie und zum Beginn der Zeit der Drei Reiche mitmischte. Ihr Gebrauch ist in Deutschland nun praktisch überall verboten. Außerdem gab es noch etwas Feuerwerk und Böller in Shanghai.

Xinchang

Ich möchte zuerst daran erinnern, dass heute das Laternenfest ist. An diesem werden traditionell z.B. Tangyuan gegessen (汤圆, wörtlich: Suppen-Kugeln), das sind, so sagt mein Wörterbuch, süße „im Wasser gekochte Klebereisbällchen, manchmal mit Füllung“. In Ningbo, der östlichen Nachbarstadt von Shaoxing, gibt es besonders leckere Tangyuan.

In den Winterferien anlässlich des chinesischen neuen Jahres fuhr ich in das Dorf Ruao (40.000 Einwohner) im Kreis (County) Xinchang (430.000 Einwohner; davon etwa 200.000 Einwohner in der Stadt Xinchang selbst) im Verwaltungsgebiet der Stadt Shaoxing (5 Millionen Einwohner) in der Provinz Zhejiang (55 Millionen Einwohner), um es gemeinsam mit einem Freund zu verbringen. Ruao liegt in einer bergigen Region, ist aber sehr nah am Pazifik. Es ist eine recht reiche Kleinstadt, da hier viele Kapseln für medizinische Zwecke hergestellt und verkauft werden. Es war ziemlich kalt. Hier folgen auch sogleich einige Bilder:

Außerdem gab es einen Tempel.

In Ruao und in Xinchang-Stadt aßen wir mit verschiedenen Verwandten meines Freundes, auch in einem etwa 200-jährigen Haus im Stil der Qing-Dynastie. Es gab hier zum Beispiel:

  •  Neujahrskuchen
  • das mir inzwischen sehr gut bekannte „rot geschmorte (Schweine-)Fleisch“ (http://en.wikipedia.org/wiki/Hongshao_rou) (红烧肉, hóngshāoròu), das besonders gerne von Mao Zedong gegessen wurde
  • „Examensbester-Kuchen“ (状元饼, zhuàngyuánbǐng)
  • „Fenchel-Bohnen“ (茴香豆, huíxiāngdòu; eine Spezialität aus Shaoxing)
  • chinesischen Gartensalat (http://en.wikipedia.org/wiki/Asparagus_lettuce) (莴笋, wōsǔn). – – und natürlich den berühmtem Shaoxing-Wein, der warm getrunken wird und aus Thermoskannen nachgeschenkt wurde

Außerdem gibt es in der Stadt Xinchang selbst den „Großer Buddha-Tempel“. Tatsächlich befinden sich hier mehrere Tempel und mehrere große Statuen – so zum Beispiel ein liegender Buddha; ein Buddha-Kopf, der aus einem Fels herausschaut; und den eigentlich berühmtem „ersten Buddha von Jiangnan“. (Jiangnan ist die Gegend südlich des Jangtse-Deltas) Von Letzterem konnte ich kein gutes Bild machen. Sein Rücken ist nicht vom Berg abgetrennt, womit er sein Teil geblieben ist; und auch der ihn umgebende Tempelraum schmiegt sich somit an den Berg an.

Ich habe in Xinchang keinen einzigen Ausländer gesehen – und doch liegt dieser Ort nur (na ja, „nur“) 3 Busstunden von Shanghai entfernt.

Countdown zum Frühlingsfest

Die Wasserkühlungs-Simulation hab ich nun halbwegs hinbekommen. (es erstaunt mich, wie gut Wasser offenbar kühlen kann!) Viele Sachen wurden aber noch nicht bestellt. Nach den Ferien kann ich mit dem Aufbau des Lasersystems beginnen, hoffentlich bald darauf auch die Frequenzen der Laser gut stabilisieren – das eigentliche Vakuumsystem wird noch einige Zeit auf sich warten lassen.

In der letzten Zeit war ich mit ein paar andern mal wieder im „Volksmassen-Fisch-mit-Sauerkraut“-Restaurant. (Volksmasse ist auch der chinesische Name von Volkswagen VW) Hier gab es etwa Entenleber und ein paar Dinge, die ich mir nicht gemerkt habe.

Heute Abend werde ich mit dem Nachtzug nach Hangzhou fahren, und am nächsten Morgen mit dem Bus weiter nach Xinchang, einer Stadt im Verwaltungsgebiet von Shaoxing in Zhejiang gleich südöstlich von Hangzhou und südwestlich von Shanghai, um mit der Familie eines Freundes das chinesische neue Jahr zu verbringen. Am 19.2. wird es bei mir dann mit der Arbeit weitergehen.

Außerdem habe ich gestern den ersten Schnee in Hefei gesehen. (den Schnee an Weihnachten habe ich verpasst)

Bei mir in der Nähe gibt es nun viele Verkaufsstände für Feuerwerkskörper, und auch für „Spruchpaare zum Frühlingsfest“ (春联, chūnlián). Auf ihnen stehen Glückssprüche, sie sind meistens rot-golden gehalten und sie werden an der Eingangstür aufgehängt. Wenn ein Verwandter starb, können sie in Nordchina aber auch grün sein. Einer chinesischen Sage zufolge erschreckt die Farbe Rot den bösen Drachen (einen der wenigen inmitten der vielen guten) Nian, dessen Name auch „Jahr“ bedeutet. Um ihn vom Menschenfressen abzuhalten, soll er auch mit Feuerwerk und Böllern vertrieben werden.

Es ist außerdem Tradition, das Schriftzeichen für „Glück“ (福, fú) verkehrt herum aufzuhängen, da „umdrehen“ (倒, dào) genauso ausgesprochen wird wie „ankommen“ (到, dào) – das Glück ist also angekommen. (und übrigens wird es auch wie der „Weg“ (道, dào) aus dem Taoismus ausgesprochen, das hat aber wohl nichts zu bedeuten).

Am 3.2. oder am 4.2. (unterschiedliche Traditionen in Nord- und Südchina) war außerdem das „Kleine Neujahr“. Dieses ist der eheste Anlass zum gemeinsamen Familienessen neben dem Abend vor dem Neujahr am 9.2. und dem Laternenfest am 15. Tag des neuen Jahres, das in diesem Jahr auf den 24.2. fällt. Mit Letzterem sind die ganzen Neujahrs-Feuerlichkeiten dann endgültig abgeschlossen.

Jiaozi, Chunyun reloaded, Weltweite Luftverschmutzung, Ausländer …

Was ist passiert in der letzten Woche:

zunächst hake ich mal das Essen ab, ich war ich mal mit einigen “Quantum Memory”-Leuten in der “Chongqing-Zehntausend-Freunde-Nudelhalle”, etwas zwischen Fressbude und kleinem Restaurant in der Restaurantstraße am Südwestende meines Campus. Im Prinzip nichts Besonderes, es hat mir aber geschmeckt und ich kenne einen Platz mehr, zu dem ich bei etwaigem Nudelhunger gehen könnte!

hefei_64Mit meinem Tandempartner war ich noch in einer “Mensa” am Nordende meines Campus, wo man für 30 Yuan (etwa 3,50 Euro) vom Buffet so viel essen kann, wie man will. War ganz gut. Hier gehen vor allem Professoren hin, und davon auch nur sehr wenige. Außerdem gab er mir ein kleines, schönes, rotes Büchlein – nein, es ist nicht die Mao-Bibel, sondern es heißt “Chinesische Fabeln und alte Geschichten”.

Ich lud die drei Mit-Masterstudenten meiner Gruppe zu mir zum Kosten von Kakao, Plätzchen, Salami und ein bisschen Parmesan ein. Alle konnten entgegen gewisser Vorurteile Kuhmilch gut vertragen! Vor Kurzem waren wir auch inklusive unseres Professors und eines Doktoranden aus Beijing im Halb-Nobel-Restaurant “Jiangnan-Frühling” (Jiangnan ist die reiche Gegend am Unterlauf des Jangtse). Letzterer wird ab nach dem Neujahrs-/Frühlingsfest zunächst Teil unserer Gruppe sein – wie lange, steht wohl noch nicht fest.

Mein Mitbewohner machte mit seiner Freundin vor Kurzem u.a. seine genialen Knoblauchsprösslinge (sieht etwa wie eine dünne grüne Bohne aus) – ein offenbar oft in China gegessenes Gemüse, das auch sehr billig ist. Und etwa gekochte Lotoswurzeln, an die ich mich schon gewöhnt habe:  Nun sind die beiden erst mal für eine Woche in Shanghai.

hefei_65Gestern machte meine Mitbewohnerin seit Längerem mal wieder Jiaozi – was sie, ich hatte es schon mal erwähnt, als aus Shandong Stammende natürlich besonders gut kann (siehe Galerie). Man schnibbelt die Füllung her, legt sie in die Jiaozi-Teigblätter, formt das Ganze (das ist das Schwierigste) und kocht sie.

Die Füllung ist ziemlich variabel und beinhaltete in diesem Fall etwa Knoblauch-Schnittlauch.

Das ist auch das Gericht, was so gut wie jede chinesische Familie am Abend des 9.2. zubereiten wird. Sie sagte mir, dass es die Tradition gibt, an diesem Abend vegetarische Jiaozi zu essen, da die Leute früher oft nicht genug Geld für Fleisch hatten. Am besten etwa mit Chinakohl, brassica rapa pekinensis (白菜, báicài), da er so ähnlich ausgesprochen wird wie “hundert Reichtümer” (百财, bǎicái). Oder Blätterkohl, brassica rapa chinensis (青菜, qīngcài), da er so klingt wie “regelmäßiger Reichtum” (勤财, qíncái). Die Form der Jiaozi ist auch die des alten chinesischen Geldes. Meistens werden Jiaozi gekocht, sie können aber auch angebraten (öfters etwa in Qingdao) oder gegart werden. Hier in Hefei sehe ich öfters Jiaozi-Restaurants als in Hangzhou, das liegt vielleicht aber auch an meinen nun verbesserten Chinesisch-Kenntnissen.

Ich schreibe nun viel übers Essen, obwohl ich mir übers Essen nicht wirklich viele Gedanken mache – es ist aber meine Hauptbeschäftigung neben ins Buero gehen und schlafen … ;-)

Nun zum Nicht-Ess-Teil: Traditionellerweise geht der Spring Festival Rush (春运, chūnyùn) von 15 Tagen vor bis 25 Tagen nach dem Frühlingsfest. Weitere Informationen hier. Damit begann er in diesem Jahr am 26.1., und er wird bis zum 6.3. anhalten. Es dürfte wie gesagt die größte Menschenbewegung des Jahres auf dem Globus sein, und somit werden Zugtickets etc. am liebsten weit im Voraus gekauft – am besten über das Internet, was seit Kurzem möglich ist. Bei der chinesischen Zug-Website blick ich aber noch nicht wirklich durch. Es gibt, diese Thematik betreffend, auch die Filmkomödie Lost on Journey (mit einem derzeitigen Nachfolger). Bald werden also praktisch (fast) alle Wanderarbeiter, Studenten und sonstige wieder zu Hause aufgeräumt sein. Mir wurde von einigen prophezeit, dass es schwer sein wird, Essen auf dem Campus zu finden – davon gehe ich auch aus. Mindestens eine Mensa ist ab heute geschlossen, und nun, da die Prüfungen vorbei sind, sah man am letzten Wochenende viele Studenten mit Rollkoffern davoneilen. Es wird schon deutlich leerer – nun bleiben vor allem noch die “graduate students”, die zumindest in meinem Umfeld größtenteils in einer Woche nach Hause fahren. (keiner meiner Kommilitonen, die ich kenne, kommt aus Hefei) Was ich genau zu dieser Zeit machen werde, habe ich mir noch nicht so genau überlegt! Read more »