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Anhui

Tianzhushan

In den Ferien anlässlich des Drachenbootfests am Anfang dieser Woche fuhren zwei Kommilitonen und ich zum Tianzhu-Berg (Himmelspfeiler-Berg), nur zwei Autostunden von Hefei südlich entfernt in der Stadt Anqing, Kreis Qianshan. Der Tianzhushan wird auch Wanshan genannt – das Schriftzeichen 晚 für Wan ist auch das Kürzel der Provinz Anhui, das etwa auf Autokennzeichen sichtbar ist.

Ein kleiner Exkurs in die Geschichte Anhuis und Anqings: Eigentlich ist Anhui ein kulturell inhomogenes Gebiet mit Ausläufern der zentralchinesischen Ebene im Norden und gebirgiger Region im Süden. Seit 1421 – zur Zeit der Ming-Dynastie – waren Anhui und das östliche Jiangsu in der sogenannten Provinz Nanzhili vereint, die direkt von der Zentralregierung verwaltet wurde. 1661, am Beginn der mandschurischen Qing-Dynastie, wurde Nanzhili dann in Jiangsu und Anhui aufgespalten – dies ist der eigentliche Beginn der Geschichte der Provinz Anhui. Der Name Anhui setzt sich aus den jeweils ersten Schriftzeichen der Städte Anqing und Huizhou zusammen. Anqing war bis 1946 dessen Hauptstadt – seitdem ist es Hefei.

Obwohl er nicht so sehr berühmt ist, ist der Eintritt zum Tianzhushan auch nicht viel billiger als der zum berühmten Huang Shan. Dennoch fand ich diesen Berg sogar noch besser, da er nicht so überlaufen ist. Der Berg hat zwar keine ganz so beeindruckende Ansichten wie der Huang Shan, aber er ist meiner Ansicht nach sehr nahe dran – und er hat dazu noch den hoch gelegenen schönen Alchemie-See zu bieten.

Der Alchemie-See schuldet seinen Namen dem Wirken von Zuo Ci, ein berühmter Begründer der chinesischen Alchemie, der dort vor etwa 1800 Jahren an der Herstellung von Unsterblichkeits-Pillen arbeitete. Er wurde angeblich 300 Jahre alt.

Hier konnten wir auch einen schönen Sonnenaufgang beobachten. Das Wetter war ziemlich gut.

Tianzhushan gehört genau wie Huang Shan und übrigens auch die Berge Lu’ans dieser Einträge (http://ingo-in-china.de/jinzhai/ und der Eintrag zum Rote-Steine-Tal) zu den Dabie Shan-Bergen.

In diesem Berg wurden zum Ende der mongolischen Yuan-Dynastie im 14. Jahrhundert auch Pferde für den Han-chinesischen und letztlich erfolgreichen Widerstand herangezogen. Der Gründer der darauf folgenden Ming-Dynastie Zhu Yuanzhang kam bekanntlich aus Anhui (Stadt Chuzhou – genau wie der heutige Ministerpräsident Li Keqiang).

Die Rückfahrt war allerdings etwas chaotisch. Am Ende der Drachenbootfest-Ferien wollten ziemlich viele Leute vom Land zurück nach Hefei fahren, und der Einstieg in die Busse an der Busstation in Qianshan (Kreisstadt Meicheng) war nicht organisiert. Immer wenn ein Bus nach Hefei ankam, bildete sich eine Traube am Eingang – wir haben erst den letzten erwischt und mussten dafür 4 Stunden warten. In Hefei mussten wir dann noch eine Dreiviertelstunde ein Taxi suchen. Wenn es sich einrichten lässt, werde ich in Zukunft also möglichst Züge benützen, deren Zeiten zuverlässiger sind.

Hefei, Fenghua, Letzte Tage

Erste wichtige Information: ich werde am 28.6., also sehr bald, nach München zurückkommen! Zweite wichtige Information: ich werde relativ bald wieder nach China verschwinden, und zwar nach Hefei.

Von 24.-27.5. war ich in Hefei. Hier werde ich, wenn alles glatt geht, ab in etwa drei Monaten an der University of Science and Technology of China (USTC) die Physik-Masterarbeit schreiben.

Hefei ist die Hauptstadt der Provinz Anhui, gar nicht allzu weit weg von Hangzhou (mit dem Zug bzw. Bus etwa 5 Stunden; wenn aber im Oktober dieses Jahres die Schnellzugstrecke Hangzhou-Nanjing fertig werden sollte, dürfte sich die Fahrtzeit halbieren) In Nanjing, der Hauptstadt Jiangsus, ist man schon in 1 Stunde mit dem Schnellzug. Von Hefei werden noch nicht so viele Mitteleuropäer gehört haben, sogar einige Chinesen wissen nicht genau, wo diese Stadt liegt. Sie ist keine große Stadt wie Hangzhou oder sogar Shanghai, doch leben im Stadtgebiet immer noch etwa so viele Menschen wie in Berlin.

Anhui ist zwar sehr nah am prosperierenden Jangtse-Delta (Zhejiang, Jiangsu, Shanghai), doch um einiges ärmer als dieses. Wenn China behauptet, noch ein Entwicklungsland zu sein, dann dürfte das auf Anhui wohl noch mit am ehesten zutreffen. Eine chin. Studentin erzählte mir, dass sie als Kind glaubte, „Menschen aus Anhui“ (anhuiren, 安徽人) würde „arme Menschen“ bedeuten. Read more »