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Author: Ingo

Mücken und Hochhäuser in Hefei

Gegenüber allen Freunden von kurzen Blogeinträgen entschuldige ich mich schon jetzt, denn dieser hier ist lang … Vor kurzem bin ich umgezogen. Einer der großen Gründe dafür war es, dass mein altes Zimmer keine Klimaanlage hatte. Dass es in Hefei im Sommer ziemlich heiß ist, ist auch auf diesem Bild verdeutlicht: http://www.spiegel.de/panorama/china-affe-in-hefei-spielt-im-karpfenteich-a-911673.html

Nun wohne ich im 29. Stock des “Weiten Ozean-Sternbilds” (瀚海星座), einem 32-stöckigen Doppelturm gleich südlich meines Ost-Campus. Damit überragt es auch mein 18-stöckiges Labor nebenan. Hier wohne ich mit vier Chinesen in einer WG, von denen drei auch graduate students an der USTC sind. Im Hinterhof wird abends etwa von 7 bis 8:30 getanzt. Im Aufzug gibt es nicht nur Werbeplakate, sondern auch Werbedurchsagen. Gleich nebenan gibt es einige Grillstände und Automechaniker.

Hier gibt es neben gutem Blick als Dreingabe auch die Verschonung von der Mückenplage trotz nachts geöffnetem Fenster bei Licht. Es liegt nicht am etwas geringeren Luftdruck, sondern daran, dass der Wind hier oben so stark bläst. (außerdem gibt es hier nicht so viel Nahrung)

 

Mit zunehmender Höhe über dem Erdboden wird die durchschnittliche Windgeschwindigkeit logarithmisch größer. Direkt über dem Erdboden sind Winde durch Reibung am Boden schwächer. Aufgrund der unterschiedlichen Boden-Rauigkeit sind Winde in Städten nicht so stark wie auf dem Land, auf dem Land nicht so stark wie auf der See, und im kontinental-gebirgigen Bayern nicht so stark wie im flachen und nah am Meer gelegenen Niedersachsen. Das Fehlen einer rauen Oberfläche auf Gasplaneten lässt auch die dortigen Winde stärker werden als auf unserem hiesigen Gesteinsplanet Erde – das war Teil meiner Bachelorarbeit.

 

Nun liegt die maximale Fluggeschwindigkeit von Mücken bei 1,5 – 2,5 km/h. Ab einer gewissen Höhe wird es für Mücken also unmöglich, in den stärkeren Winden zu navigieren und ihr Beuteziel anzufliegen. Darum stechen Mücken bei windstillem Wetter am meisten. Dennoch wurden weggeblasene hilflose Mücken auch im 10-16 km hohen Jet Stream nachgewiesen. Sie können dort also überleben, aber nicht navigieren.

 

Nun zu den Hochhäusern im Allgemeinen: Hefei ist eine Großstadt, hat mehr Einwohner als Berlin, und es dürfte aufgrund vieler Hochhäuser und erhöhter Straßen auch einen urbaneren Charakter als Frankfurt haben (in China ist Hefei aber, was die Stadtgröße- und bedeutung angeht, eher zwischen der 2. und 3. Liga angesiedelt, auf jeden Fall hinter sogenannten Second Tier Cities wie Hangzhou und Nanjing). Daher nun ein paar Hochhaus-Informationen zu Hefei:

 

Das 1998 erbaute „Post- und Telekommunikations-Hochhaus“ (邮电大厦, Adresse: 淮河路303号) mit 39 Stockwerken und 178 m Höhe war für lange Zeit das höchste konventionelle Hochhaus in Hefei. 2011 wurde es aber vom „Anhui-Restaurant“ (安徽饭店国际中心, Adresse: 梅山路18号) mit 56 Stockwerken und 237 m Höhe überholt – sowie einer Reihe anderer neu erbauter Gebäude. Derzeit befindet sich noch der „Binhu Times Square“ (滨湖时代广场, weit im Süden von Hefei nahe dem Chaohu) im Bau, welches 68 Stockwerke und 268 m Höhe haben wird.

 

Letzteres wird höher sein als Deutschlands höchstes Gebäude, der Commerzbank Tower in Frankfurt mit 259 m. Höchstes Gebäude in Deutschland außerhalb Frankfurts ist der Post Tower mit 162,5 m in Bonn, gefolgt vom Kölnturm mit 148,1 m in Köln.

 

Ein anderes wegen seiner besonderen Architektur bemerkenswertes Gebäude in Hefei ist das 226,5 m hohe und sich noch im Bau befindliche Hochhaus der Fernsehsender Anhuis (合肥 安徽电视台) am Schwanensee, in dem nachts übrigens, wie auch im Gewässer nahe der Wissenschaftsinsel im Nordwesten Hefeis (an dem sich nebenbei bemerkt der derzeit weltweit fortschrittlichste, aber dennoch unausgereifte Fusionsreaktor der Welt befindet), geschwommen wird. Ausserdem gibt es noch den sich im Bau befindlichen Hefei Feicui TV Tower mit 339 m, gemäß Wikipedia dann dem 40.-größten Gebäude der Welt.

Tianzhushan – 2

Noch ein paar Bilder:

Hongshigu (Rote-Steine-Tal)

Am letzten Wochenende war ich wieder in der Stadt Lu’an, Kreis Jinzhai – diesmal im Hongshigu (Rote-Steine-Tal). Hier gab es klares Wasser, schöne Wälder – und auch Staudämme.

Tianzhushan

In den Ferien anlässlich des Drachenbootfests am Anfang dieser Woche fuhren zwei Kommilitonen und ich zum Tianzhu-Berg (Himmelspfeiler-Berg), nur zwei Autostunden von Hefei südlich entfernt in der Stadt Anqing, Kreis Qianshan. Der Tianzhushan wird auch Wanshan genannt – das Schriftzeichen 晚 für Wan ist auch das Kürzel der Provinz Anhui, das etwa auf Autokennzeichen sichtbar ist.

Ein kleiner Exkurs in die Geschichte Anhuis und Anqings: Eigentlich ist Anhui ein kulturell inhomogenes Gebiet mit Ausläufern der zentralchinesischen Ebene im Norden und gebirgiger Region im Süden. Seit 1421 – zur Zeit der Ming-Dynastie – waren Anhui und das östliche Jiangsu in der sogenannten Provinz Nanzhili vereint, die direkt von der Zentralregierung verwaltet wurde. 1661, am Beginn der mandschurischen Qing-Dynastie, wurde Nanzhili dann in Jiangsu und Anhui aufgespalten – dies ist der eigentliche Beginn der Geschichte der Provinz Anhui. Der Name Anhui setzt sich aus den jeweils ersten Schriftzeichen der Städte Anqing und Huizhou zusammen. Anqing war bis 1946 dessen Hauptstadt – seitdem ist es Hefei.

Obwohl er nicht so sehr berühmt ist, ist der Eintritt zum Tianzhushan auch nicht viel billiger als der zum berühmten Huang Shan. Dennoch fand ich diesen Berg sogar noch besser, da er nicht so überlaufen ist. Der Berg hat zwar keine ganz so beeindruckende Ansichten wie der Huang Shan, aber er ist meiner Ansicht nach sehr nahe dran – und er hat dazu noch den hoch gelegenen schönen Alchemie-See zu bieten.

Der Alchemie-See schuldet seinen Namen dem Wirken von Zuo Ci, ein berühmter Begründer der chinesischen Alchemie, der dort vor etwa 1800 Jahren an der Herstellung von Unsterblichkeits-Pillen arbeitete. Er wurde angeblich 300 Jahre alt.

Hier konnten wir auch einen schönen Sonnenaufgang beobachten. Das Wetter war ziemlich gut.

Tianzhushan gehört genau wie Huang Shan und übrigens auch die Berge Lu’ans dieser Einträge (http://ingo-in-china.de/jinzhai/ und der Eintrag zum Rote-Steine-Tal) zu den Dabie Shan-Bergen.

In diesem Berg wurden zum Ende der mongolischen Yuan-Dynastie im 14. Jahrhundert auch Pferde für den Han-chinesischen und letztlich erfolgreichen Widerstand herangezogen. Der Gründer der darauf folgenden Ming-Dynastie Zhu Yuanzhang kam bekanntlich aus Anhui (Stadt Chuzhou – genau wie der heutige Ministerpräsident Li Keqiang).

Die Rückfahrt war allerdings etwas chaotisch. Am Ende der Drachenbootfest-Ferien wollten ziemlich viele Leute vom Land zurück nach Hefei fahren, und der Einstieg in die Busse an der Busstation in Qianshan (Kreisstadt Meicheng) war nicht organisiert. Immer wenn ein Bus nach Hefei ankam, bildete sich eine Traube am Eingang – wir haben erst den letzten erwischt und mussten dafür 4 Stunden warten. In Hefei mussten wir dann noch eine Dreiviertelstunde ein Taxi suchen. Wenn es sich einrichten lässt, werde ich in Zukunft also möglichst Züge benützen, deren Zeiten zuverlässiger sind.

Jinzhai

Nach einem chinesischen Vortrag eines meiner Mitstudenten über Spinor-Bose-Einstein-Kondensate – mit englischen Powerpoint-Folien – fuhr ich gestern Abend nach Jinzhai, einem Landkreis der Stadt Lu’an im Westen Hefeis, wofür man mit dem Schnellzug nur eine Stunde braucht.

Sogar mir fiel auf, dass die Luft in Jinzhai (Gold-Camp) viel besser ist als in Hefei. Jinzhai liegt in den Dabie-Bergen – ein Mittelgebirge, welches eine natürliche Grenze zwischen der Provinz Hubei und Anhui im Osten und Henan im Norden darstellt. Da der 2009 eröffnete Jinzhai-Bahnhof mitten im Nichts steht, fuhr ich mit einem inoffiziellen Taxi zum Flussladen (Jiangdian)-Dorf, wo ich auch übernachtete.

Eigentlich ist die einzige halbwegs bekannte Sehenswürdigkeit der Berg Tiantangzhai. (Paradies-Camp) Aber ich ging mit einer Freundin zum Pflaumenberg-Stausee. Dieser wurde vor etwa 50 Jahren von Russen errichtet.

Und dann noch zu einer Gedenkstätte für die gefallenen Helden während des Befreiungskrieges gegen die Japaner und die Nationalisten 1937 – 1949 im Pflaumenberg (Meishan)-Dorf . Aus Jinzhai kamen während dieser Zeit besonders viele Generäle. Besonders hervorzuheben ist Hong Xuezhi: http://en.wikipedia.org/wiki/Hong_Xuezhi