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Author: Ingo

Quzhou

Dieses Wochenende haben wir wieder mal eine Exkursion gemacht, diesmal nach Quzhou in West-Zhejiang.
Es wird wieder einige Bilder von antiken Gebäuden geben, darum möchte ich nochmal anmerken, dass antike Gebäude die Ausnahme sind. Diese fotografiere ich nur überdurchschnittlich oft. (ich mache übrigens auch überdurchschnittlich oft Bilder von meinen Exkursionen und weniger oft davon, wie ich studiere ;-) ) In Hangzhou gibt es meiner Erfahrung nach etwa einige antike Bauten um den Westsee herum, hauptsächlich besteht die Stadt aber aus gesichtslosen, gleichförmigen, grauen Hochhäusern – und vielen Baustellen, wo noch mehr solche Hochhäuser gebaut werden. Das Stadtbild Hangzhous und auch ganz Chinas hat sich in den letzten paar Jahrzehnten stark geändert. Ein Professor meinte, dass die heutigen Straßenverläufe Hangzhous mit denen der alten Zeit kaum noch etwas gemeinsam haben. Das klingt nun etwas negativ, aber ich mag es auch, in einer Betonwüste zu leben!

Für eine Vorlesung sollten wir auch eine Studie lesen, die sich mit der Frage beschäftigt, warum China so eine reichhaltige Geschichte und genaue Aufzeichnungen der Vergangenheit besitzt, warum aber gleichzeitig ziemlich wenige wirklich alte Gebäude in China stehen. Read more »

Dies und das

Das Studium läuft vor sich hin, gerade ist die Prüfungswoche des Herbstsemesters, in dem ich faktisch aber nur eine Chinesischprüfung übermorgen habe (und einige Zusatzveranstaltungen wie Bibliothekseinweisungen). Dann kommt gleich das Wintersemester. Hier gibt es wie gesagt 4 „Semester“ pro Jahr.
Vorletztes Wochenende war ich mit andern bei einem Internationalen Musikfestival mit internationalen und chinesischen Bands (Infos z.B. bei morehangzhou.com). Die chinesischen Jugendlichen/Studenten haben praktisch nichts Alkoholisches getrunken, es war aber trotzdem Stimmung da.

Außerdem möchte ich nochmal hervorheben, dass (gleichaltrige) Chinesen nach meiner Erfahrung öfters Ausländer zum Essen einladen, was man in Deutschland so nicht beobachten kann. Ich kann nun leider nicht beurteilen, ob (westliche) Ausländer eher zum Essen eingeladen werden als andere Chinesen, ich glaube aber schon. Sie sind ja Gäste hier und Gäste sollte man gut behandeln, so denken einige.

Dieses WE nahm ich mit einem andern an einem 13 km-Lauf in Hangzhou um den Westsee teil. Er war ähnlich wie Läufe, die ich aus Deutschland kenne, außer, dass es zusätzlich nichts Kostenloses zu essen gab, dass viele 6 km-Läufer den Lauf eher als Spaziergang aufgefasst haben, sodass man die letzten Meter vor dem Ziel gar nicht mehr richtig laufen konnte, und dass ich nach dem Lauf mit meinem Laufpartner mindestens 70x von anderen fotografiert wurde, als wir auf einen anderen Freund gewartet haben. Davor wurde ich in meiner gesamten Zeit hier nur 2-3x fotografiert ……. Wir werden innerhalb der nächsten Monate wahrscheinlich auch noch an anderen Läufen teilnehmen, mal abwarten.

Insgesamt bin ich froh, dass ich hier nicht nur ein halbes Jahr bin, sondern ein ganzes, mir gefällt es hier sehr

Huang Shan

Am Wochenende war ich mit andern am Huang Shan (Gelbe Berge), der hier auch in der „Nähe“ ist. Er ist dreieinhalb Stunden Busfahrt durch hügelige Gegend nach Westen in die Nachbarprovinz Anhui (Friedliches Abzeichen) entfernt. Das Gebirge ist seit dem 8. Jh. unter diesem Namen bekannt, angeblich in Anlehnung an den Gelben Kaiser. Es hat steil aufragende Felsen und seltsame Formen, wurde über die Jahrhunderte oft gemalt und war auch die Inspiration für die teils schwebenden Berge im Film Avatar, wo sich die Hauptfigur einen Drachenvogel fängt – denn hier gibt es öfters Wolkenmeere, aus denen einzelne Gipfel des Gebirges herausragen, welches ich aber leider nicht gesehen habe.

Wie anscheinend öfters bei chinesischen Bergen gibt es hier viele, viele Stufen. Hier liefen auch Lastenträger herum und man konnte sich auf einem tragbaren Stuhl herumtragen lassen (was ich aber nur einmal gesehen habe). Die Touristen waren in der überwältigenden Mehrzahl Chinesen.

Wir waren nicht die einzigen Dummen, die ohne Bettenreservierung nach oben gegangen sind. Wir sind aber in Stockbetten auf einem Hotelgang untergekommen. Es wurden noch viele zusätzliche Betten im Hotel aufgestellt, auch in der Lobby, und vom Hotel gestellte Zelte vor den Hotels. Am Wochenende ist eben mehr los …

Chinesische Geschichte

Heute hab ich einen Geschichts-Anschlag auf euch vor, denn am Montag schrieb ich einen Geschichts-Test. Ich weiß nicht, ob es wen von euch interessiert, aber wenn ich mich schon damit beschäftigt habe, dann will ich hier mal einen groben (!) Überblick über die chinesische Geschichte von den Anfängen bis zum 1. Opiumkrieg (1839-1842) geben, von dem ab die gewaltsame Öffnung Chinas für den Handel durch die sich industrialisierenden Länder des Westens (und Russlands, Japans) begann, die später in eine Semi-Kolonisierung münden sollte. Davor verlief die Geschichte Ostasiens mit China als kulturellem Mittelpunkt weitestgehend eigenständig, da geographisch durch Meere, Gebirge und Wüsten von anderen zivilisierten Gebieten abgeschnitten. Bekanntlich war die chinesische davor zeitweise die technologisch etc. fortgeschrittenste Zivilisation auf der Erde. Read more »

Goldene Woche

Die letzte Woche hatten wir frei. Es war die sog. Goldene Woche anlässlich des Nationalfeiertags, da Mao Zedong am 1.10.1949 die Volksrepublik China ausrief. Im Jahr gibt es insgesamt zwei davon – die zweite ist immer Ende Januar/Anfang Februar anlässlich des chinesischen Neujahrsfests, dessen genauer Zeitpunkt von einem Mondkalender abhängt.

Erst nahm ich an einer Exkursion nach Haining (übersetzt: friedliches Meer) teil. Diese Stadt liegt zwischen Hangzhou (Barken-Gebiet) und Shanghai (auf dem Meer). Die Exkursion wurde vom chinesischen Fernsehen und vom Foreign Propaganda Office of Zhejiang Province organisiert. Das lief darauf hinaus, dass wir Gruppe von Ausländern (bzw. Nicht-Chinesen) andauernd fotografiert und gefilmt wurden, woraus Videobeiträge bzw. Zeitungsartikel fabriziert wurden/werden. Uns wurden die Highlights von Haining gezeigt, die Stadt sollte natürlich von ihrer besten Seite präsentiert werden. So besichtigten wir eine Rollschuh-Sporthalle, das frühere Haus eines chinesischen Dichters, zwei Wohngebiete (eines davon sehr gehoben), einen Ledermarkt (ein aus dem Boden gestampftes riesiges Kaufhaus), einen Tempel (eines Flussgottes) und die berühmte Gezeitenwelle des Qiantang-Flusses (Qiantang = Geld-Becken), die den Fluss aufwärts rollt. Zudem wurden wir dreimal zu größeren Essen eingeladen …

Die Provinz Zhejiang (Zhe-Fluss), deren Hauptstadt Hangzhou ist, ist übrigens nach dem Qiantang-Fluss benannt, dessen antiker Name Zhe-Fluss war. Die Gezeitenwelle wird auch Silberner Drache genannt; sie wird jeweils Anfang September bis zu 9 Meter hoch und ist die größte weltweit. Dieses Jahr gab es dabei ein Unglück. Die Welle durchbrach einen Damm und riss hunderte Menschen mit sich, wobei 20 verletzt wurden:

chinas-gezeitenwelle-silberner-drache-reisst-schaulustige-mit

Danach fuhr ich mit ein paar Kommilitonen kurz nach Shanghai, das ja gleich um die Ecke liegt (also in einem 200 km-Radius). Diese Stadt symbolisiert wie wohl keine andere das derzeitige Wirtschaftswachstum Chinas. Dennoch hier ein paar traditionelle Bilder von dessen „Altstadt“. Sie hat mir sehr gefallen, allerdings ist sie auch ziemlich unnatürlich. Aber nett für Touristen! Read more »