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Monthly Archives: Sonntag, der 24. November 2013

Goodbye Hefei

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag werde ich China verlassen; wahrscheinlich am Dienstag verlasse ich Hefei in Richtung Shanghai. Hier noch ein paar Dinge der letzten Tage und Wochen:

In der letzten Zeit läuft öfters eine Katze in unserem Büro herum. Sie sprang auch auf meinen Arbeitsplatz. Und eines Nachts schlief sie auf dem Stuhl des Mädchens gleich hinter mir. Außerdem spazierte sie seelenruhig in einen Saal, als unser Boss Pan Jianwei gerade einen Report ablieferte. Gerüchte, dass es sich hierbei um Schrödingers Katze handelt, wurden zur Zeit der Erstellung des Blog-Eintrags noch nicht bestätigt. Möglicherweise handelt es sich auch um eine Superposition von Schrödingers und Pan Jianweis Katze.

Ein Kommilitone lud mich noch zum Essen von „duftendem Topf“ (香锅) ein – eine echte Feuertopf-Alternative und eine Spezialität aus Hunan! Er ist sowohl scharf, als auch hat er den besonderen „Ma“-Geschmack. Dazu gab es noch Shaoxing-Reiswein und er schenkte mir zwei Geschichtsbücher aus den 1930ern in traditionellen Schriftzeichen (uff). (zur Information: heute werden in der Volksrepublik seit den 1950ern vereinfachte Schriftzeichen verwendet. Die komplexeren traditionellen Zeichen sind aber z.B. noch in Taiwan, in Hongkong und in Singapur im Einsatz, sowie in gelegentlicher Werbung in der Volksrepublik)

Zu unserem Experiment bzw. meiner Arbeit: Leider konnte ich die Lithium-2D MOT nicht zu Ende bauen. Unser Vakuum hat Probleme. Zunächst mal war unser Ofen undicht. Somit fuhren wir zu der entsprechenden Firma in Hefei, und es stellte sich heraus, dass er an sich leckfrei ist, aber nicht ohne das Entstehen eines Lecks an andere Komponenten angeschlossen werden kann. Macht auch nicht so viel Sinn! Den Genickschuss gaben uns dann noch Vakuum-Fenster (made in Beijing), die aus irgendeinem Grund nicht leckfrei an das System angeschlossen werden können. Wenn man auf Nummer sicher gehen will, kauft man sich die Teile besser von ausländischen anerkannten Unternehmen. Das Problem ist nur, dass die Lieferzeit so lange ist, und deshalb bestellten wir uns chinesische Backup-Komponenten, die aber das eine oder andere Zipperlein haben.

Unser Laser kann nun wenigstens frequenzstabilisiert werden, nachdem sich herausstellte, dass die Lock-Elektronik kaputt ist. (aus München-Gräfelfing) Aber wir bekamen schnell funktionierenden Ersatz. Das Lasersystem steht so weit, wenn auch teilweise noch unoptimiert. Entgegen meiner zwischendurch auftretenden Befürchtungen habe ich auch nicht unser zentrales Vakuumteil (500 Euro) und keine optischen Komponenten (2000 Euro) zerstört. Ist nochmal gut gegangen … Eines unserer Vakuum-Druckmessgeräte (500 Euro) musste aber leider dran glauben …..

Gestern Abend lud ich noch meine ganze Gruppe und meinen Professor zum Abendessen in der „Irdenen Weinkrug-Straße“ ein – ein Restaurantkomplet, der erst vor einem halben Jahr erbaut wurde (chin. Name: 罍街, Adresse: 宁国路与水阳江路口). Für zwölf Leute nur etwa 45 Euro, es gab Essen aus Anhui und anderen Teilen Chinas, dabei waren scharfer Fisch (auch mit „Ma“-Geschmack), Klebreis auf einem dünnen Baumstamm und unter Bambusblatt, scharfen Tofu, Kung Pao Chicken, tausendjährige Eier, köchelnde Bambussprossen, Kuhmilch mit Erdnussgeschmack, Bier, etc.

Schön war es hier in Hefei. Eine unvollständige Liste dessen, was ich an Hefei (bzw. China) vermissen werde:

  • Feuerwerk/Böller zu jeder Tag
  • und Nachtzeit
  • vom Obstmann (der seit 30 Jahren auf dem Campus ist) geschnittene Honigmelonenstücke
  • warme Sojabohnenmilch
  • chinesische Schriftzeichen und die chinesische Sprache allgemein
  • erhöhte (Schnell-)Straßen
  • kleine Restaurants mit billigem und gut schmeckendem Essen/die chinesische Art des Teilens beim Essen allgemein
  • hohe Häuser mit Neonleuchten bei Nacht, mit überdimensional beleuchteten Schriftzeichen
  • mein Labor, in dem ich so langsam jeden Schraubenzieher und jede Schraube kenne
  • billige Taxis
  • knackige Bambussprossen
  • Knoblauchsprösslinge
  • Shaoxing-Reiswein
  • das Gefühl, am andern Ende der Welt mitten im (wenn auch stark urbanisierten und sich entwickelnden) Nichts zu sein
  • Grillstände, hier insbesondere gegrillte ganze Aubergine und dünne Kartoffelscheiben (ja, hier vegetarisch zu essen ist besser für den Magen …), sowie gegrillte ganze Banane
  • laute Menschenmassen
  • das heimelige Geräusch von auf den Boden spuckenden Leuten
  • Baustellen
  • Aussicht vom 29. Stock
  • überfüllte Straßenkreuzungen
  • schöne Bauernhäuser im Huizhou-Stil und schöne Landschaften, wie z.B. in Lu’an und in der Huang Shan-Gegend
  • laute Nachrichtensendungen in der Mensa
  • das Gefühl, dass sich hier etwas bewegt
  • Nudeln in Suppe
  • den Muslim in der Mensa (wohl höchstens 20 Jahre alt), der vor den Augen aller Nudeln mit der Hand macht und innerhalb von 3 Minuten oder weniger kocht
  • den „Brillen-See“ meines Campus mit den Lotusblättern
  • natürlich Feuertopf
  • duftenden Topf
  • Anhui-Küche
  • die chinesische Art des Essens mit Essstäbchen in der einen und Handy in der anderen Hand – wird glaube ich seit ein paar Jahrtausenden so praktiziert
  • wahrscheinlich sogar meine Mensa
  • mit jedem nicht chinesisch aussehenden Menschen, den man sieht, sofort in Kontakt kommen können
  • die Ansicht einiger Leute, dass Hefei (größer als Berlin) eine kleine Stadt sei
  • den 24h-Laden in meinem Haus
  • meinen Campus
  • Abende im Suppenfleisch-Restaurant mit meinen Mitbewohnern
  • Mittvierziger, die im Sommer oben ohne ihre Wampe präsentieren
  • für einen Russen gehalten werden (insbesondere von Russen)
  • kleine Straßen mit vielen Restaurants
  • miteinander schnatternde Supermarkt-Verkäuferinnen
  • Taxifahrer-Gespräche über deutsche Autos, deutschen Fußball, deutsches Bier und böse Japaner
  • Frauen, die abends draußen tanzen
  • chinesische Pop-Schnulzen-Musik
  • singende alte Leute im Park
  • KTV-Kultur
  • und die ganzen Leute hier ;-)

Ich denke, Hefei ist eine ziemlich durchschnittliche chinesische große Stadt. Nicht im Norden, nicht wirklich im Süden. Nicht an der reichen Küste, nicht wirklich weit weg von der reichen Küste. Keine der ganz großen Städte wie Shanghai, Beijing oder Guangzhou, aber auf keinen Fall eine kleine Stadt. Der lokale Dialekt ist kein Hochchinesisch, aber er ist auch nicht so extrem wie in einigen Gegenden z.B. von Zhejiang oder Fujian. Es gibt hier praktisch keine Sehenswürdigkeiten, es ist nur eine Stadt zum Leben. Ursprünglich war ich nicht so glücklich mit der Entscheidung für Hefei – ich wäre ursprünglich lieber nach Chengdu oder Nanjing gegangen, in denen es viel mehr Sehenswürdigkeiten etc. gibt. Ich bereue es aber nicht, nach Hefei gegangen zu sein, denn gerade, dass es hier nichts Besonderes gibt, das macht diese Stadt wieder besonders.

Na dann bis bald, Deutschland ;-)

Guogou Plaza

Wer von euch auch immer mal in die Situation kommt, in Hefei zu sein und abends nicht weiß, wohin er essen gehen soll, dem sei gesagt, dass er zum Beispiel an der Guogou Plaza (国购广场) essen gehen kann, westlich vom Stadtzentrum an der Jangtse-West-Straße (长江西路). In den großen Shopping Malls Guogou Plaza und der benachbarten gerade Ende letzten Jahres errichteten „Herz-Stadt“ (之心城; luxuriöser als Guogou) gibt es viele etwas teurere (allerdings allgemein nicht wirklich teure) und gehobenere Restaurants. Dazu gibt es gegenüber noch die Guanting-Straße (官亭路, Regierungs-Pavillon-Straße), die zur Anhui Agricultural University führt und in der es viele kleinere Restaurants, Grillstände und Geschäfte aller Art gibt; KTVs sowieso. Hier ist abends sehr viel los, und es ist sehr lebhaft (热闹), was viele Chinesen lieben. Dazu wird mitten auf der Straße gegenwärtig auch noch eine U-Bahn-Station der künftigen U2 gebaut.

Leider sind die Bilder nur unscharf und geben den Ort nur unvollständig wider. Er ist ziemlich modern. Ich liebe diesen Platz.

Fröhliches Diwali-Fest, Grillen auf der Wissenschaftsinsel

Ich bin in den letzten Tagen sehr mit meiner Masterarbeit beschäftigt. Tatsächlich gibt es nun sichtbare Fortschritte im Labor (siehe Bilder) – im Gegensatz zu meiner Anfangszeit hier, wo wir noch vor allem mit Sachen designen und dann einkaufen beschäftigt waren. Allerdings neigt sich meine Zeit hier rasch dem Ende zu (am 27.11. abends fliege ich zurück nach Deutschland), und ich muss alles noch in eine vernünftige Abschlussarbeit-Form bringen – und mich noch von all meinen Freunden verabschieden. Wenn ihr besondere Mitbringsel aus China haben wollt, dann meldet euch schnell bei mir.

Dennoch war ich am letzten Samstagabend mit meinem indischen Freund aus Kalkutta auf einem Diwali-Fest, welches in der Anhui Medical University stattgefunden hat. Dieses sogenannte Lichterfest ist das bedeutendste Fest Indiens im Jahr, vergleichbar mit unserem Weihnachten und dem chinesischen Frühlingsfest. An jenem Abend soll Indien nachts auf Satellitenkarten hell erscheinen, während die umliegenden Länder schlafen. Es gab sage und schreibe etwa 50 Inder (und indische Auswanderer aus Südafrika), sowie diverse andere Nationalitäten. Ein indischer Koch ist dafür extra aus Shanghai angereist. Es gab eine Tanzvorführung, indische Musik, und sonst war es ein nettes Beisammensein. An der Anhui Medical University und der Anhui University gibt es generell mehr Ausländer als an der University of Science and Technology of China (und nicht so einen hohen Pakistaner-Anteil).

 

Am Sonntag lud mein chinesischer Professor samt Frau und Sohn netterweise anlässlich meines baldigen Abschieds meine Gruppe (inklusive Bachelor-Studenten 9 Jungen und Mädchen) und mich zum selber grillen auf der Wissenschaftsinsel im Nordwesten Hefeis ein – mit erfahrener Unterstützung eines Doktoranden aus der Elektro-Gruppe. Selber grillen ist in China nicht üblich, man geht normalerweise zu von anderen betriebenen Grillständen.