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Goodbye Hefei

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag werde ich China verlassen; wahrscheinlich am Dienstag verlasse ich Hefei in Richtung Shanghai. Hier noch ein paar Dinge der letzten Tage und Wochen:

In der letzten Zeit läuft öfters eine Katze in unserem Büro herum. Sie sprang auch auf meinen Arbeitsplatz. Und eines Nachts schlief sie auf dem Stuhl des Mädchens gleich hinter mir. Außerdem spazierte sie seelenruhig in einen Saal, als unser Boss Pan Jianwei gerade einen Report ablieferte. Gerüchte, dass es sich hierbei um Schrödingers Katze handelt, wurden zur Zeit der Erstellung des Blog-Eintrags noch nicht bestätigt. Möglicherweise handelt es sich auch um eine Superposition von Schrödingers und Pan Jianweis Katze.

Ein Kommilitone lud mich noch zum Essen von „duftendem Topf“ (香锅) ein – eine echte Feuertopf-Alternative und eine Spezialität aus Hunan! Er ist sowohl scharf, als auch hat er den besonderen „Ma“-Geschmack. Dazu gab es noch Shaoxing-Reiswein und er schenkte mir zwei Geschichtsbücher aus den 1930ern in traditionellen Schriftzeichen (uff). (zur Information: heute werden in der Volksrepublik seit den 1950ern vereinfachte Schriftzeichen verwendet. Die komplexeren traditionellen Zeichen sind aber z.B. noch in Taiwan, in Hongkong und in Singapur im Einsatz, sowie in gelegentlicher Werbung in der Volksrepublik)

Zu unserem Experiment bzw. meiner Arbeit: Leider konnte ich die Lithium-2D MOT nicht zu Ende bauen. Unser Vakuum hat Probleme. Zunächst mal war unser Ofen undicht. Somit fuhren wir zu der entsprechenden Firma in Hefei, und es stellte sich heraus, dass er an sich leckfrei ist, aber nicht ohne das Entstehen eines Lecks an andere Komponenten angeschlossen werden kann. Macht auch nicht so viel Sinn! Den Genickschuss gaben uns dann noch Vakuum-Fenster (made in Beijing), die aus irgendeinem Grund nicht leckfrei an das System angeschlossen werden können. Wenn man auf Nummer sicher gehen will, kauft man sich die Teile besser von ausländischen anerkannten Unternehmen. Das Problem ist nur, dass die Lieferzeit so lange ist, und deshalb bestellten wir uns chinesische Backup-Komponenten, die aber das eine oder andere Zipperlein haben.

Unser Laser kann nun wenigstens frequenzstabilisiert werden, nachdem sich herausstellte, dass die Lock-Elektronik kaputt ist. (aus München-Gräfelfing) Aber wir bekamen schnell funktionierenden Ersatz. Das Lasersystem steht so weit, wenn auch teilweise noch unoptimiert. Entgegen meiner zwischendurch auftretenden Befürchtungen habe ich auch nicht unser zentrales Vakuumteil (500 Euro) und keine optischen Komponenten (2000 Euro) zerstört. Ist nochmal gut gegangen … Eines unserer Vakuum-Druckmessgeräte (500 Euro) musste aber leider dran glauben …..

Gestern Abend lud ich noch meine ganze Gruppe und meinen Professor zum Abendessen in der „Irdenen Weinkrug-Straße“ ein – ein Restaurantkomplet, der erst vor einem halben Jahr erbaut wurde (chin. Name: 罍街, Adresse: 宁国路与水阳江路口). Für zwölf Leute nur etwa 45 Euro, es gab Essen aus Anhui und anderen Teilen Chinas, dabei waren scharfer Fisch (auch mit „Ma“-Geschmack), Klebreis auf einem dünnen Baumstamm und unter Bambusblatt, scharfen Tofu, Kung Pao Chicken, tausendjährige Eier, köchelnde Bambussprossen, Kuhmilch mit Erdnussgeschmack, Bier, etc.

Schön war es hier in Hefei. Eine unvollständige Liste dessen, was ich an Hefei (bzw. China) vermissen werde:

  • Feuerwerk/Böller zu jeder Tag
  • und Nachtzeit
  • vom Obstmann (der seit 30 Jahren auf dem Campus ist) geschnittene Honigmelonenstücke
  • warme Sojabohnenmilch
  • chinesische Schriftzeichen und die chinesische Sprache allgemein
  • erhöhte (Schnell-)Straßen
  • kleine Restaurants mit billigem und gut schmeckendem Essen/die chinesische Art des Teilens beim Essen allgemein
  • hohe Häuser mit Neonleuchten bei Nacht, mit überdimensional beleuchteten Schriftzeichen
  • mein Labor, in dem ich so langsam jeden Schraubenzieher und jede Schraube kenne
  • billige Taxis
  • knackige Bambussprossen
  • Knoblauchsprösslinge
  • Shaoxing-Reiswein
  • das Gefühl, am andern Ende der Welt mitten im (wenn auch stark urbanisierten und sich entwickelnden) Nichts zu sein
  • Grillstände, hier insbesondere gegrillte ganze Aubergine und dünne Kartoffelscheiben (ja, hier vegetarisch zu essen ist besser für den Magen …), sowie gegrillte ganze Banane
  • laute Menschenmassen
  • das heimelige Geräusch von auf den Boden spuckenden Leuten
  • Baustellen
  • Aussicht vom 29. Stock
  • überfüllte Straßenkreuzungen
  • schöne Bauernhäuser im Huizhou-Stil und schöne Landschaften, wie z.B. in Lu’an und in der Huang Shan-Gegend
  • laute Nachrichtensendungen in der Mensa
  • das Gefühl, dass sich hier etwas bewegt
  • Nudeln in Suppe
  • den Muslim in der Mensa (wohl höchstens 20 Jahre alt), der vor den Augen aller Nudeln mit der Hand macht und innerhalb von 3 Minuten oder weniger kocht
  • den „Brillen-See“ meines Campus mit den Lotusblättern
  • natürlich Feuertopf
  • duftenden Topf
  • Anhui-Küche
  • die chinesische Art des Essens mit Essstäbchen in der einen und Handy in der anderen Hand – wird glaube ich seit ein paar Jahrtausenden so praktiziert
  • wahrscheinlich sogar meine Mensa
  • mit jedem nicht chinesisch aussehenden Menschen, den man sieht, sofort in Kontakt kommen können
  • die Ansicht einiger Leute, dass Hefei (größer als Berlin) eine kleine Stadt sei
  • den 24h-Laden in meinem Haus
  • meinen Campus
  • Abende im Suppenfleisch-Restaurant mit meinen Mitbewohnern
  • Mittvierziger, die im Sommer oben ohne ihre Wampe präsentieren
  • für einen Russen gehalten werden (insbesondere von Russen)
  • kleine Straßen mit vielen Restaurants
  • miteinander schnatternde Supermarkt-Verkäuferinnen
  • Taxifahrer-Gespräche über deutsche Autos, deutschen Fußball, deutsches Bier und böse Japaner
  • Frauen, die abends draußen tanzen
  • chinesische Pop-Schnulzen-Musik
  • singende alte Leute im Park
  • KTV-Kultur
  • und die ganzen Leute hier ;-)

Ich denke, Hefei ist eine ziemlich durchschnittliche chinesische große Stadt. Nicht im Norden, nicht wirklich im Süden. Nicht an der reichen Küste, nicht wirklich weit weg von der reichen Küste. Keine der ganz großen Städte wie Shanghai, Beijing oder Guangzhou, aber auf keinen Fall eine kleine Stadt. Der lokale Dialekt ist kein Hochchinesisch, aber er ist auch nicht so extrem wie in einigen Gegenden z.B. von Zhejiang oder Fujian. Es gibt hier praktisch keine Sehenswürdigkeiten, es ist nur eine Stadt zum Leben. Ursprünglich war ich nicht so glücklich mit der Entscheidung für Hefei – ich wäre ursprünglich lieber nach Chengdu oder Nanjing gegangen, in denen es viel mehr Sehenswürdigkeiten etc. gibt. Ich bereue es aber nicht, nach Hefei gegangen zu sein, denn gerade, dass es hier nichts Besonderes gibt, das macht diese Stadt wieder besonders.

Na dann bis bald, Deutschland ;-)

Guogou Plaza

Wer von euch auch immer mal in die Situation kommt, in Hefei zu sein und abends nicht weiß, wohin er essen gehen soll, dem sei gesagt, dass er zum Beispiel an der Guogou Plaza (国购广场) essen gehen kann, westlich vom Stadtzentrum an der Jangtse-West-Straße (长江西路). In den großen Shopping Malls Guogou Plaza und der benachbarten gerade Ende letzten Jahres errichteten „Herz-Stadt“ (之心城; luxuriöser als Guogou) gibt es viele etwas teurere (allerdings allgemein nicht wirklich teure) und gehobenere Restaurants. Dazu gibt es gegenüber noch die Guanting-Straße (官亭路, Regierungs-Pavillon-Straße), die zur Anhui Agricultural University führt und in der es viele kleinere Restaurants, Grillstände und Geschäfte aller Art gibt; KTVs sowieso. Hier ist abends sehr viel los, und es ist sehr lebhaft (热闹), was viele Chinesen lieben. Dazu wird mitten auf der Straße gegenwärtig auch noch eine U-Bahn-Station der künftigen U2 gebaut.

Leider sind die Bilder nur unscharf und geben den Ort nur unvollständig wider. Er ist ziemlich modern. Ich liebe diesen Platz.

Fröhliches Diwali-Fest, Grillen auf der Wissenschaftsinsel

Ich bin in den letzten Tagen sehr mit meiner Masterarbeit beschäftigt. Tatsächlich gibt es nun sichtbare Fortschritte im Labor (siehe Bilder) – im Gegensatz zu meiner Anfangszeit hier, wo wir noch vor allem mit Sachen designen und dann einkaufen beschäftigt waren. Allerdings neigt sich meine Zeit hier rasch dem Ende zu (am 27.11. abends fliege ich zurück nach Deutschland), und ich muss alles noch in eine vernünftige Abschlussarbeit-Form bringen – und mich noch von all meinen Freunden verabschieden. Wenn ihr besondere Mitbringsel aus China haben wollt, dann meldet euch schnell bei mir.

Dennoch war ich am letzten Samstagabend mit meinem indischen Freund aus Kalkutta auf einem Diwali-Fest, welches in der Anhui Medical University stattgefunden hat. Dieses sogenannte Lichterfest ist das bedeutendste Fest Indiens im Jahr, vergleichbar mit unserem Weihnachten und dem chinesischen Frühlingsfest. An jenem Abend soll Indien nachts auf Satellitenkarten hell erscheinen, während die umliegenden Länder schlafen. Es gab sage und schreibe etwa 50 Inder (und indische Auswanderer aus Südafrika), sowie diverse andere Nationalitäten. Ein indischer Koch ist dafür extra aus Shanghai angereist. Es gab eine Tanzvorführung, indische Musik, und sonst war es ein nettes Beisammensein. An der Anhui Medical University und der Anhui University gibt es generell mehr Ausländer als an der University of Science and Technology of China (und nicht so einen hohen Pakistaner-Anteil).

 

Am Sonntag lud mein chinesischer Professor samt Frau und Sohn netterweise anlässlich meines baldigen Abschieds meine Gruppe (inklusive Bachelor-Studenten 9 Jungen und Mädchen) und mich zum selber grillen auf der Wissenschaftsinsel im Nordwesten Hefeis ein – mit erfahrener Unterstützung eines Doktoranden aus der Elektro-Gruppe. Selber grillen ist in China nicht üblich, man geht normalerweise zu von anderen betriebenen Grillständen.

Das Lithium-Absorptionsspektrum ist da!

Ich hätte bis jetzt gerne mehr über meine Arbeit im Labor berichtet, aber es gab einfach kein präsentationswürdiges Ergebnis. Bis jetzt bestand die meiste Arbeit nur aus Design, Theorie und dem Kaufen von benötigten Komponenten. Am 08.10. konnte ich aber endlich das (Doppler-freie) Absorptionsspektrum der D2-Linie von 6Lithium-Gas in meiner gebauten Spektroskopiezelle sehen – ein Ergebnis, das ich eigentlich schon vor spätestens zehn Wochen erhalten wollte.

Das ist für die Wissenschaft kein großes Ding – das Bauen so einer Spektroskopiezelle ist eine Standardtechnik in Labors, die sich mit ultrakalten Lithium-Atomen beschäftigten. Eigentlich kann man das sehr schnell erledigen, wenn man es kann oder wenn man auf dem Weg dorthin gut angeleitet wird. Bei mir hat es aber leider sehr, sehr lange gedauert – viel zu lange.

Wir brauchen dieses Absorptionsspektrum, um aus diesem ein Fehlersignal zu generieren. Der Strom, die Temperatur etc. unseres Lasers ist stets kleinen Änderungen unterworfen – damit ändert sich auch stets die Frequenz seines Laserlichts ein bisschen. Wir brauchen aber einen frequenzstabilisierten Output, und das Fehlersignal wird dem Laser-Controller in Bruchteilen von Sekunden sagen, ob er dem Laser nun etwas mehr oder weniger Strom geben soll, ob er den Laserresonator vergrößern oder verkleinern soll. Um das zu erreichen, brauchen wir aber erst einmal Lithium-Gas, um das Spektrum zu erhalten.

Wie bekommen wir nun das Lithium-Gas her? Lithium ist ein ziemlich unhandliches Element. Zunächst einmal reagiert es mit Luft, Stickstoff, Wasser – und sogar mit Methanol, das wir in einem ersten Versuch benutzten, um es von Öl zu reinigen, da die festen Lithium-Stücke in einer Flasche voll Öl angeliefert wurden (das wiederum sehr ungesund für ein Vakuum ist). Es lagert sich auf Fenstern ab und macht sie für Laserstrahlen undurchdringbar. Und zudem muss es auf etwa 350 Grad Celsius erhitzt werden, um ein Gas mit einer brauchbaren Dichte zu bilden (der größte Teil des Lithiums ist dann noch flüssig). Wenn man nicht aufpasst und das Lithium zu lange der Luft aussetzt, dann bilden sich auf der Oberfläche des Lithium-Stücks oxidierte Verbindungen, die erst bei bis zu 1000 Grad flüssig werden. (in vollständig unoxidiertem Zustand ab 180 Grad)

Aufgrund dieser Komplikationen muss man sich so eine Spektroskopiezelle mit Lithium-Gas selbst bauen – im Gegensatz zu glaube ich allen anderen Elementen, die man in Labors der ultrakalten Atomphysik nutzt, deren Zellen man kommerziell erstehen kann. Das ist einfach ein längliches Stahlrohr, das in der Mitte erhitzt wird. Sie ist mit einer 0.1 mbar-Argon-Atmosphäre gefüllt (mittleres Vakuum), die die freie Weglänge der Lithium-Gas-Atome reduziert, sodass sie nicht die Fenster an den beiden Enden der Röhre angreifen. (diese wiederum sind für die Transmission des Laserlichts notwendig) So werden die Atome auf die vom Zentrum weg kälter und kälter werdenden Rohrwände geschleudert, wo sie erneut flüssig werden. Da die Oberflächenspannung der Lithium-Tropfen mit zunehmender Temperatur geringer wird, wandern sie allmählich zurück zum Zentrum, wo sie erneut gasförmig werden, etc.

Zunächst einmal hatte ich ein großes Schrauben-Problem. Ich konnte die einzelnen Teile des Rohres einfach nicht zusammenschrauben, da die Schraubengewinde kaputt gingen. Außerdem schleiften sich beim Festermachen deren Köpfe ab. Die vierte Art von Schrauben, die wir gekauft haben, funktionierte dann endlich. (obwohl es prinzipiell auch mit unserer ersten Art ging, wenn auch mit viel Zeit, Nerven etc. verbunden)

Der erste Versuch des Aufbaus einer Zelle scheiterte leider. Lithium wurde in einer Handschuhbox mit Argon-Atmosphäre eines anderen Labors in die Zelle eingeführt, es gab ein reinigendes Ausbacken der Zelle etc. Doch während irgendeinem Schritt kam das Lithium in zu viel Kontakt mit Luft, wodurch es für eine Verflüssigung zu oxidiert war.

Das zweite Mal baute ich, Tipps aus Heidelberg folgend, selbst eine Handschuhbox – aus normalen Mülltüten, einer Klarsichtfolie und eingeklebten Handschuhen. Nun funktioniert es. Und so hoffe ich, dass das Signal nun auch stabil bleiben wird und ich mich noch auf andere nötige Teile meiner Arbeit konzentrieren kann!

Sommerferien

Es ist nun zwar schon ewig her, aber vom 26.7. bis zum 8.8. waren mich meine beiden alten Heidelberger Kommilitonen Henning und David besuchen.

Zunächst holte ich sie an einem Wochenende in Shanghai ab. Hier besuchten wir kurz die Yu-Gärten in der Shanghaier Altstadt und die Französische Konzession.

In Shanghai dürfen natürlich auch nicht die berühmten Wolkenkratzer fehlen.

Dann ging es nach Hefei.

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